¡Buenos días Gran Canaria!

Endlich, nach einigen arbeitsreichen Wochen begann eine tolle Woche auf Gran Canaria! Es war an der Zeit für einen Tapetenwechsel. Nachdem wir letztes Jahr im Winter eine Woche auf Fuerteventura verbracht haben und mit dem Rennrad und MTB unterwegs gewesen waren, wollte ich (Clemens) diesmal Gran Canaria erleben und war mit dem Rennrad unterwegs. Wie ich die Insel erlebt habe, lest Ihr in diesem Beitrag.

Viel Spaß!

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Effektiv hatte ich eine knappe Woche Zeit und die wollte gut eingeteilt sein, denn die Insel bietet sehr viel. Der Fokus sollte ganz klar auf den Sport und nicht auf einen Bade- oder Strandurlaub gerichtet sein. Nach etwas Recherche im Internet entschied ich mich für die Stadt Las Palmas als Stützpunkt, fernab von den Bettenburgen bei Playa del Inglés im Süden der Insel, und mir vor Ort ein Rennrad auszuleihen. Der Radverleih bot aktuelle Fahrräder der laufenden Saison an und ich kam in den Genuss, auf einem schicken Cannondale Synapse Carbon mit Shimano-Ultegra Ausstattung und Scheibenbremsen Platz zu nehmen. Das Rad war zu meiner Freude in einem technisch einwandfreien Zustand - auf Fuerteventura hatten wir hier, äh sagen wir mal, gemischte Erfahrungen gemacht. Jetzt war ich erst recht richtig heiß darauf, die Insel zu erkunden!

Tipp vorab: Ich habe alle Touren mit der App komoot geplant und abgefahren. Ihr findet meine Daten am Ende jeder Tour zum Nachfahren.

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Nur nichts überreizen dachte ich mir. Es war gerade Anfang März und mein Trainingszustand erst mittelmäßig. Die erste Tour zum 569 Meter hohen Pico de Bandama, dem höchsten Punkt auf einem erloschenen Vulkankrater vor den Toren von Las Palmas, sollte mir ein erstes Gefühl von der Insel vermitteln und nur kurz sein. Das war sie auch, doch selbst nach nur 41 km standen bereits 950 hm auf dem Tacho, gespickt mit einigen giftigen Rampen von 20% Steigung. Na, das kann ja heiter werden dachte ich mir, schließlich war ich nur an der Küste unterwegs gewesen, die hohen Berge im Inselinneren hatte ich bislang nur aus der Ferne gesehen.

Die Caldera im Naturpark Bandama ist wunderschön und bietet tolle Ausblicke über die Ostküste der Insel und auf die Inselhauptstadt Las Palmas. Auf dem höchsten Punkt, dem Pico de Bandama, befindet sich ein Aussichtspunkt und ein kleiner Parkplatz. Mit den passenden Schuhen kann man auf dem Kraterrand eine Rundwanderung unternehmen. Bewegung hatte ich für heute genug, die Kratertour zum 200 Meter tiefer gelegenen Kraterboden überlies ich deshalb den `Giletes jaunes`- kein Scherz, eine Touristengruppe war im Krater unterwegs und trug dabei gelbe Warnwesten. Für mich ging’s nach einer kurzen Pause auf dem Gipfel hügelig zurück nach Las Palmas. Am Abend sprang ich noch in den kühlen Atlantik und freute mich schon auf die nächste Tour!

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Das Städtchen Agaete und der nahe gelegene Hafen Puerto de las Nieves im Nordwesten der Insel sollen sehenswert und touristisch weniger überlaufen sein. Als Tagestour schien die Strecke gut machbar zu sein, im Prinzip ging’s ja nur entlang der Küste - so dachte ich anfangs jedenfalls. 

Direkt an der Nordküste der Insel verläuft ohne große Steigungen eine Autobahn, die mit dem Radl nicht befahren werden darf und parallel dazu gibt es, wie sollte es anders sein, nichts! Also musste ich auf Straßen im Hinterland ausweichen. Zwar waren diese sehr schön, doch niemals flach. Gran Canaria ist im Prinzip ein riesiger Vulkankegel von dessen Bergflanken zum Teil tief eingeschnittene Flusstäler (Barrancos) sternförmig in Richtung Küste abfallen. Dementsprechend verlaufen die Nebenstraßen durch diese Täler, d.h. auf der einen Seite geht's zum Teil steil hinab, auf der anderen ebenso steil wieder hinauf und alles gewürzt mit vielen, vielen Kurven. Das Höhenprofil der Tour gleicht somit einem Sägezahnblatt und nur kurze Abschnitte der Straße verliefen parallel und zur Küste und somit flacher. Nachdem die ersten 20 Kilometer durch die zahlreichen, langweiligen Vororte von Las Palmas geschafft waren, wurde die Landschaft immer schöner und der Verkehr nahm deutlich ab. Als Highlight der Hinfahrt nach Agaete blieb mir der Küstenabschnitt zwischen El Roque bis kurz vor Santa Maria de Guía im Gedächtnis. Die Straße verläuft hier durch eine saftig-grüne Landschaft entlang der Steilküste mit einer tosenden Brandung. Es entsteht dabei ein feiner Nebel, der selbst aus mehreren Kilometern Entfernung noch als Dunstwolke zu erkennen ist. Gerade im Morgenlicht war das besonders beeindruckend.

Das zweite Highlight war kurz vor Agaete, bei Piso Firme. Man erreicht eine Anhöhe und blickt direkt nach Westen bis zur Küste und zur Nachbarinsel Teneriffa. Aus dem Dunst erhob sich majestätisch der höchste Berg Spaniens, der Teide, in den blauen Himmel und davor glitzerte das Meer in der Mittagssonne, was für ein Anblick! Die letzten paar Kilometer rollte ich angenehm und in Wellen abwärts auf einer Nebenstraße dem Tagesziel Agaete und der wohlverdienten Mittagspause entgegen.

Die Altstadt von Agaete mit ihren weiß getünchten Häusern bot eine schöne Kulisse und irren Kontrast zum Hinterland. Nur wenige Kilometer entfernt fallen hier die grünen Berge des Parque Natural de Tamadaba schroff ins Meer ab. Bei Agaete gibt es auch eine kleine Kaffeeplantage, die einzige Europas, mit eigener Rösterei und Verkauf. Das Mikroklima ist hier ideal für den Kaffeeanbau, weil sehr mild und mit hohen Niederschlägen. Doch beim Blick auf die Uhr war klar, Zeit für einen Besuch der Plantage blieb heute nicht. Ich wollte mir noch den Hafen ansehen und etwas essen, schließlich musste ich wieder zurück nach Las Palmas. Im Hafen erinnert wenig an das einstige Fischerdorf, heute warten hier die Touristen auf die Schnellfähre nach Santa Cruz auf Teneriffa. Mein Aufenthalt fiel dementsprechend kurz aus, ich genoss noch etwas den Blick aufs Meer und die beeindruckende Brandung und machte mich auf den Rückweg.

Ich wählte dafür eine etwas andere Strecke. Der Abschnitt zwischen Piso Firme und Santa Maria de Guía verlief zwar auf verkehrsarmen Wirtschaftsstraßen, doch die waren in einem teils grausigen Zustand, holprig, teilweise lagen Sand und Erde der umliegenden Felder auf dem rissigen Asphalt, für ein Rennrad war das jedenfalls nichts. Hier wäre ein MTB die richtige Wahl gewesen. Zweimal wollte ich hier nicht im Schritttempo drüberschleichen müssen und so probierte ich eine alternative Strecke in Richtung Gáldar aus. Der Schleichweg war zu Beginn super, bis er abrupt an einer Baustelle endete. Nach etwas Suchen ging’s zu Fuß und das Rad schulternd auf einem schmalen Pfad bergab zur nächsten Siedlung weiter. Geschafft! 

Der weitere Weg war wieder einfach, auf der Straße ging es flott über Gáldar und bis El Roque, einem kleinen Ort an der Küste, direkt an der Schnellstraße gelegen. Zwar hätte ich hier prinzipiell bis El Puertillo eben und schnell weiterfahren können, doch der Verkehr war mir zu dicht. Ich zog es vor, Richtung Firgas ins Hinterland abzubiegen. Sofort ging es wieder steil bergauf, dafür nahm der Verkehr ab und die Ausblicke wurden schöner. Die Sonne stand schon recht tief, als ich nach einigen steilen Kilometern plötzlich vor einer Straßensperre landete.

Ich suchte auf meinem Routenplaner nach einer Ausweichroute und wurde etwas nervös. Es gab keine andere Verbindungsstraße. Es hieß entweder den Anstieg der letzten 40 Minuten wieder zurück zur Küste zu fahren, dann auf der 4-spurigen Schnellstraße entlang der Küste bis zu dem Punkt radeln, den ich am Vormittag hergekommen war. Dort würde ich wieder auf kleinsten, absurd steilen Sträßchen zurück ins Hinterland fahren müssen, um gefühlt nur ein paar hundert Meter Luftlinie entfernt von dem Punkt, an dem ich mich gerade befand, zu landen. Die Aktion würde locker 90 Minuten kosten und ich käme sicher in die Dunkelheit. Zwar hatte ich ein Anstecklicht fürs Rad dabei, doch das war nur als Positionslicht für die Straßentunnel geeignet, nicht für eine Nachtfahrt.  

Die zweite Möglichkeit, einfach weiter im Landesinneren eine Straße zu nehmen, wäre noch abwegiger gewesen und hätte 1000 Höhenmeter extra bedeutet. Ich musste also irgendwie auf die andere Seite des großen Barranco Azzuaje gelangen. Es blieb nur eine Option, die Absperrung ignorieren und hoffen, dass man zu Fuß durchkommt. Durch eine Lücke im Bauzaun konnte ich zuerst das Rad und dann mich selbst hindurchzwängen, doch nach ein paar Metern auf der Straße war klar, wieso sie gesperrt war. Ein Felssturz hatte sie in einer Kurve komplett verschüttet. Links davon ging es 200 Meter jäh in den Abgrund und über dem Schuttkegel dräute eine nur notdürftig mit Beton stabilisierte Felswand. Die frischen Abbruchstellen waren am Fels jedenfalls noch deutlich zu erkennen. Die Szenerie empfand ich alles andere als beruhigend, doch es half nichts, ich musste weiter. Das Rad schulternd balancierte ich sehr sehr vorsichtig die vielleicht 10 Meter bis zur anderen Seite über einen Mix aus losen Steinen, Felsbrocken und stinkenden Müll - geschafft, durchatmen! Ich war erleichtert, dass alles geklappt hatte und endlich ging’s in der inzwischen wundervollen Abendstimmung weiter. Dank der Sperrung konnte ich die nächsten Kilometer autofrei weiterfahren. Den paar Einheimischen Fußgängern, denen ich kurz nach der Sperre begegnete, schien es offenbar egal, dass ihnen hier ein Tourist entgegenkam. Außer einem freundlichen Nicken zeigten sie keine Regung. Der weitere Rückweg nach Las Palmas verlief dann zum Glück problemlos, ich trat kräftig in die Pedale und erreichte kurz vor Sonnenuntergang mein Hotel, müde und zufrieden. Die scheinbar leichte Küstentour hatte es in sich gehabt, 114 Kilometer und stolze 2130 Höhenmeter zeigte der Routenplaner am Ende des Tages an. Bereits im Bett liegend träumte ich schon von meinem eigentlichen Highlight dieses Urlaubs, dem höchsten Punkt der Insel, dem Pico de las Nieves. 

Tour #2_Las Palmas - Agaete

06:50 h, 114 km, ø 16,7 km/h, 2130 hm 

Gran Canaria, Kanaren, Las Palmas
Tour #2 - Las Palmas - Agaete

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Zum höchsten Punkt der Insel, dem Pico de las Nieves auf 1950 Metern, führt eine asphaltierte Straße. Dort wollte ich natürlich ebenfalls hinauf. Der Ausblick soll spektakulär sein und im Winter soll es dort manchmal sogar schneien, daher auch das Wort Schnee im Namen des Gipfels. Eigentlich wollte ich nach den zwei vorangegangenen, anstrengenden Tagen einen Ruhetag einlegen und mal baden gehen, schließlich lag der zweitlängste Stadtstrand der Welt nach Rio de Janeiro in Brasilien fast vor der Hoteltür. Doch der Himmel war am Morgen ziemlich wolkenverhangen und man konnte an den Berghängen einzelne Regenschauer erkennen. 18 Grad Lufttemperatur, ein bedeckter Himmel bei kräftigem Wind und kaltem Meerwasser waren mir zu wenig einladend zum Schwimmen. Ich hatte eine andere Idee. Wie wäre es mit tollen Ausblicken vom Inselinneren auf den sonnigen und trockenen Süden im Windschatten der Berge? Tolle Idee, fand ich! 

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Playa de las Canteras im Morgenlicht

Es war schon später Vormittag, als ich loskam, perfekt also, um oben die Abendstimmung zu genießen. Diesmal war ich entsprechend vorbereitet, mit Handschuhen, Mütze, warmen Sachen und meiner kompletten Regengarnitur, natürlich bloß dazu gedacht, um mich innerlich zu beruhigen. Wer denkt schon an Kälte und Regen in so südlichen Breiten? Ganz naiv war ich nicht gestartet, der Wetterbericht sprach von vereinzelten Schauern, allerdings am Vormittag, und einem kräftigem Nordostwind. Bis ich oben wäre, sollte es später Nachmittag und trocken sein. Ich plante die Tour so, dass es zunächst mit Rückenwind entlang der Küste bis nach Telde ging. Ok, nur flach war es natürlich wieder nicht. Wie bei der zweiten Tour beschrieben, musste ich die Küstenautobahn im Hinterland umfahren. Es war sonnig und warm, als ich mittags in Telde ankam und eine erste Pause einlegte um mich noch einmal ausgiebig zu stärken. Telde selbst ist ein hübsches Städtchen, bekannt unter anderem durch seine alten Holzbalkone an den Häusern und vielleicht dafür, nicht allzu touristisch zu sein. 

In Telde begann der eigentliche Anstieg bis zum Pico de las Nieves. Die Orientierung fällt hier leicht, es geht immer nur der Straße GC-130 folgend direkt bergauf. Und wie es hinaufgeht! Fast ohne Pause sind die Steigungen im zweistelligen Prozentbereich, Abschnitte erreichen immer wieder 18%. Man sollte sich seine Kraftreserven also gut einteilen. Ich ließ es langsam angehen und nahm mir Zeit für Fotostopps und um die Aussicht zu genießen. Die Mittagssonne brannte vom Himmel und so war der Wind angenehm kühlend. Der Verkehr war kurz nach Telde zum Glück sehr gering, dafür war jetzt der Asphalt fast durchgehend schlecht, extrem rau, manchmal holprig und rissig. Hoffentlich würde das bei meiner Abfahrtsroute besser werden. 

Die Ausblicke wurden mit zunehmender Höhe immer besser, auch wenn die dunklen Wolken näher kamen. Wie bei einem Schiff, das eine große Bugwelle vor sich herschiebt, stauten sich die Passatwolken auf der Luvseite der Insel an den Bergen. Während ich noch bei Sonnenschein unterwegs war, zogen nur wenige hundert Meter entfernt die ersten Regenbogen vorbei, während in der Ferne und weit unter mir der blaue Atlantik in der Sonne funkelte, was für ein Panorama! Eine Weile später tauchte nach einer Kurve plötzlich die Caldera de los Marteles auf und die Landschaft änderte sich schlagartig. Die ersten lichten Bergwälder mit Kiefern erschienen und das Farbspiel aus dunklen Wolken mit grünen Bäumen, roter und schwarzer Erde und ein paar Sonnenstrahlen, die durch eine Wolkenlücke strahlten, war einfach nur großartig. Hier erwischte mich der erste kurze Schauer, doch zum Glück boten die Bäume etwas Schutz vor dem Wind und Regen. Nach wenigen Minuten schien wieder die Sonne und ich fuhr weiter langsam bergauf. 

In einem kleinen Hochtal blühten Obstbäume und ich kam mir vor wie im Frühling in Deutschland. Endlich, die Sonne stand schon recht tief, da tauchte der ersehnte Abzweig zum Pico de las Nieves auf. Noch 1,5 km bis zum Gipfel. Die Wolken wurden wieder dichter, der Wind rauschte in den Bäumen und die Temperatur sank spürbar. Kurz vor dem Gipfel zog ich mir sämtliche warme Sachen an, die ich eingepackt hatte, sogar über meine Handschuhe und die Mütze war ich jetzt froh. Die Aussicht vom Gipfel war leider kaum vorhanden und so sah ich nur ein paar andere frierende Touristen, die nach dem obligatorischen Gipfelfoto schnell wieder in ihre Autos stiegen um bergab zu fahren. Nach ein paar Minuten im Wind und in den Wolken drehte auch ich wieder um. 

Die Abfahrt war toll, kaum Autoverkehr und das Lichtspiel zwischen den grünen Bäumen und kleinen Wolkenlücken sah prima aus. Etwas tiefer erhaschte ich einen kurzen Blick auf den markanten Gipfel des Roque Nublo, der schemenhaft aus dem Nebel auftauchte, um nach wenigen Augenblicken wieder von den Wolken verschluckt zu werden. Was für ein Schauspiel! Der Blick auf die Uhr zeigte, dass ich noch höchstens 30 Minuten Tageslicht haben würde, jetzt hieß es möglichst flott abfahren. Doch das Wetter spielte nicht mehr mit. Der einsetzende Schauer wurde immer stärker, statt wie erhofft schwächer und mit einem Schlag war ich komplett in den Wolken.

Anstatt wie gedacht schnell bergab zu fahren, um dann kurz vor der Dunkelheit in Las Palmas anzukommen, musste ich bei schlechter Sicht durch Nebel und Regen bergab  schleichen. Zu allem Überfluss schickte mich der Routenplaner auf ein winziges Nebensträßchen, dass immer steiler wurde, bis es mir zu heiß wurde. Etwa 26 % Gefälle im Regen, mit Erde auf der Straße, die statt Asphalt auf einmal zu einer holprigen Betonpiste geworden war, waren mir zu viel. Jetzt hieß es das Rad sehr vorsichtig auf dem glitschigen Untergrund bergab schieben. Endlich, nach einer Weile und wohl 100 Höhenmetern tiefer, landete ich wieder auf einer normalen Bergstraße. Ich konnte mich wieder in den Sattel schwingen, doch es regnete weiter und inzwischen war es dunkel geworden. Mit Stirnlampe und schlechter Sicht ging’s behutsam weiter abwärts, bis ich nach einer gefühlten Ewigkeit den Ort Teror erreichte. 

Endlich, ab hier sollten die Straßen laut der Karte besser ausgebaut sein und ich würde schneller vorankommen. Auch der Regen hatte aufgehört, es war mit 13 Grad ein wenig wärmer geworden und die Sicht deutlich besser. Ich fuhr weiter, doch auf einmal war die Hauptstraße gesperrt. Ein Einheimischer sah wohl meinen ratlosen Blick und zeigte auf die Umleitung. Nach der gestrigen Erfahrung mit gesperrten Straßen wollte ich in der Dunkelheit keine Experimente mehr machen. Also nahm ich die Umleitung und es ging elend steil bergauf, geschätzt mit 24 % und nicht nur ein paar Meter. 

Nach einer ganzen Weile war der Bergrücken erklommen und in der Ferne leuchtete Las Palmas. Schnell noch drei Energieriegel gegen den Unterzucker und etwas zu Trinken, um wieder Kraft für die letzten Kilometer zu tanken. Ab jetzt ging es wirklich nur noch abwärts und eine gute halbe Stunde später, gegen 21:30 Uhr erreichte ich endlich das Hotel, abgekämpft aber glücklich. Ein unvergesslicher Tag ging zu Ende und ich freute mich auf die Dusche, etwas zu essen und mein Bett.

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Hinweis: Ich habe die hier angegebene Route in komoot nachträglich angepasst, d.h. ohne die Bergab-Schiebepassage und mit der beschriebenen Umleitung. Jetzt lässt sie sich stressfrei nachfahren.

Ein Ruhetag

Der nächste Morgen begann dann etwas später, draußen ging gerade ein Schauer nieder und so sah ich mir nach dem Frühstück die Trackaufzeichnung der gestrigen Tour auf dem Smartphone etwas genauer an. Etwa 100 Kilometer und ich errechnete etwa 2800 Höhenmeter. Errechnen? Im Regen und Nebel war mir gestern mitten in der Abfahrt die Navigationsapp ausgestiegen. Alle Versuche sie wieder zu starten scheiterten. Vielleicht lag es daran, dass ich im stärker werdenden Regen kurz stoppte, um die Regenschutzhülle über mein Smartphone zu ziehen. Die Hülle sitzt recht stramm und mit nassen Fingern ging´s gestern auch nicht eben leichter sie überzuziehen und so bin ich wohl zu oft auf diverse Tasten geraten, bis sich die App letztendlich aufhängte. Die restliche Abfahrt musste ich dann ohne Navigation schaffen. Wenigstens war auf dem Bildschirm noch die Karte mit meinem Standort zu erkennen, sonst wäre es bei dem Straßengewirr heikel geworden, den richtigen, d.h. mit dem Fahrrad fahrbaren Weg zu finden und nicht auf der Autobahn zu landen.

Ich lies es also für einen Tag langsam angehen, der Wetterbericht versprach für den ganzen Tag Schauer und die Berge hingen fast bis zum Meer runter in den Wolken bei kräftigem Wind. So ließ ich das Rad für den heutigen Tag stehen, erholte mich von den Anstrengungen gestern und plante das große Finale des Urlaubs für den nächsten Tag.


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Am nächsten Morgen und zugleich meinem letzten Urlaubstag wollte ich eigentlich nochmal weit hinauf und mir Spaniens schönstes Dorf, Tejeda, ansehen. Wieder spielte das Wetter nicht mit und so suchte ich mir eine Alternative entlang der Ostküste nach Telde. Während sich über mir die dunklen Regenwolken an den Bergen stauten, hatte ich zeitweise sogar Sonnenschein und blauen Himmel. Von Telde ging`s auf einer wenig befahrenen und gut ausgebauten Straße mit vielen Serpentinen ins grüne Hinterland. Ich genoss die Ruhe und die Ausblicke zum Meer und schloss die Runde mit meiner zweiten Auffahrt auf den Pico de Bandama ab, nur kam ich diesmal von der anderen Seite als bei meiner ersten Tour. Die Landschaft war herrlich grün und auf den Straßen im Hinterland war insgesamt erstaunlich wenig Verkehr. Der Tag endete schließlich wieder an der Playa de las Canteras, doch diesmal mit einem Sprung ins kalte Wasser und ohne Regen!

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Mein Rückblick nach einer Woche Rennradfahren auf Gran Canaria

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Blick zum fernen Teide

Für mich bleibt insgesamt ein toller Eindruck von Gran Canaria zurück. Natürlich hätte ich gerne noch mehr gesehen, doch für die kurze Zeit kann ich mich kaum beschweren. Für alle Nachahmer sei gesagt, man sollte mit einer guten Grundkondition anreisen, will man die Insel so wie ich mit dem Rad erfahren. Selbst auf einer kurzen Strecke von 50 Kilometern ergeben sich schnell 1000 Höhenmeter. An den Küstenstraßen ist der Verkehr dicht und nervend, ebenso im Umkreis von Las Palmas. Besser zu befahren sind die Straßen im Inselinneren. Hier kann man die schöne Natur und die Ruhe genießen, vorausgesetzt man liebt Berge! 

Das Rennrad war für mich insgesamt die richtige Wahl, auch wenn ich anfangs mit dem MTB geliebäugelt hatte. So konnte ich zügig auch längere Strecken fahren und gerade bei viel Wind spielte die bessere Aerodynamik des Rennrads eine große Rolle. Manche Nebenstraßen sind jedoch in einem schlechten Zustand, mit welligem, rissigen und sehr rauen Asphalt. Auf schmalen Rennradreifen schnell bergab zu fahren, macht also nur dann Spaß, wenn man die richtige Straße mit gutem Asphalt fährt, sonst wird man mächtig durchgeschüttelt. Auf der Südseite der Insel gibt es mehr Trails als im Norden, d.h. rund um Las Palmas. Hier hätte sicher auch das MTB viel Spaß gemacht.

Ich habe mir für diese Woche beim Bikeverleih free motion - diese haben auf der Insel zwei Verleihstationen - ein brandneues Cannondale Synapse Carbon mit Shimano Ultegra Ausstattung und Scheibenbremsen ausgeliehen. Das Rad kam in einem sehr gepflegten Zustand und das Team des Radladens in Las Palmas war entspannt und machte einen kompetenten Eindruck. Hier würde ich mir jederzeit wieder ein Rad ausleihen. Das Rennrad hat eine Endurance-Geometrie, fährt sich also sehr ähnlich zu meinem Specialized Diverge und auch das Lenkverhalten war mir sehr vertraut. Insgesamt war es ein top Rennrad mit guter Ausstattung und einer sinnvollen Bergübersetzung. Nur hätte ich persönlich gerne breitere als die montierten 25 mm Reifen gehabt, dann hätten sich die ruppigen Passagen besser fahren lassen, Rahmen und Gabel hätten wahrscheinlich sogar 32 mm Reifenbreite zugelassen.

Das, jedenfalls für mich, nahezu ideale Rad um diese tolle Insel zu erkunden wäre ein Gravelbike mit breiteren Reifen gewesen, wie z.B. das aktuelle Specialized Diverge Expert X1 (zu unserem Test geht`s hier). Damit kann man durch die integrierte Lenkkopffederung und die stark flexende Sattelstütze auch auf den schlechten Straßenabschnitten entspannter fahren und selbst auf einfachen Schotterpassagen bieten die profilierten Reifen noch genügend Grip. 

Mal sehen, ob wir es noch einmal auf diese Insel schaffen werden, Ideen für schöne Touren habe ich jedenfalls genug!

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im Fahrstuhl des Hotels

 

Welche Erfahrungen habt Ihr mit Radfahren, egal ob MTB oder Rennrad auf Gran Canaria und auch den anderen kanarischen Inseln gemacht? Schreibt uns gerne einen Kommentar an team@berghuhn.de

Viele Grüße!

 

Judith & Clemens