Ein Radl geht fliegen

So machen wir unsere Räder und das Gepäck flugtauglich

Nach einer Einführung findet Ihr am Ende des Artikels ein Update. Leider haben Lufthansa und Eurowings seit einigen Monaten ihre Gepäckbestimmungen geändert und damit müssen die Räder jetzt in Kartons oder Radkoffer verpackt werden. Eine neue Herausforderung für uns, der wir uns in Kürze stellen werden.  Daher ist es Zeit, darüber zu schreiben!

Vor ein paar Jahren standen wir das erste Mal vor der Herausforderung eine geeignete Verpackung fürs Radl auszutüfteln, damit es im Flieger sicher verpackt ist. 

Ein Radkoffer bzw. eine Radtasche kam für uns nicht in Frage, da wir nur per pedes unterwegs waren und auch mal Gabelflüge nutzen.

 

Im Internet gibts zahlreiche Anleitungen, aber keine ist so simpel wie unsere ;-). Schließlich kaufen wir vor Ort immer neues Packmaterial und das kann spannend sein!

 

So sahen unsere Räder vor dem Flug fertig verpackt aus  

verpackte Fahrräder für Flug, Transportverpackung


Checkliste für Rad & Gepäck

Gedanken im Vorfeld

Bei einem Radtransport solltet Ihr Euch folgende Dinge überlegen:

  1. Mit welcher Airline komme ich an mein Ziel und wie sind die jeweiligen Gepäckbestimmungen der Airline.
  2. Welche Gepäckstücke habe ich neben dem Rad zu transportieren?
  3. Wie empfindlich ist mein Rad? 

 

Je nach Reiseziel steht eine mehr oder weniger große Auswahl an Airlines zur Verfügung - was den Radtransport angeht können sich große Unterschiede auftun - preislich wie auch vom Handling. Da sich die Bedingungen immer wieder ändern, empfehlen wir, sich immer aktuell bei den Airlines zu erkundigen. Am einfachsten geht das über die jeweilige Homepage.

Die sicherste Lösung des Radtransports ist der Radkoffer, vor allem für Räder mit Carbonrahmen. Für den Radkoffer muss das Rad zum Teil zerlegt werden, dafür ist es perfekt geschützt und der Koffer lässt sich mit Rollen gut ziehen oder in ein Taxi packen.

Wer wie wir vor Ort kein Hotel hat oder einen Gabelflug bucht, also der Start- und der Zielpunkt der Tour evtl. weit auseinander liegen, hat ein Problem, wohin mit dem Koffer?

 

So haben wir ein simples Verpackungssystem für unsere Zwecke optimiert. Wir fahren mit unseren unverpackten Rädern direkt bis zum Check-In-Schalter am Flughafen (oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln) und verpacken unsere Räder erst dort. Zu zweit benötigten wir für zwei Räder eine knappe Stunde.

Die Idee dahinter ist, alles Gepäck samt Fahrräder so nah wie möglich am Schalter zu positionieren. Leider ist es notwendig, dass die Räder direkt vom Bodenpersonal beim Check-in gesichtet werden - sonst gibts keinen Gepäckaufkleber!

Jetzt gehts ans Verpacken

Bewährt hat sich für uns das folgende Verpackungsmaterial:

  • Rohrisolierungen für Heißwasserrohre in verschiedenen Durchmessern für den Rahmen, die Gabel und den Lenker
  • ca. 5 Meter Luftpolsterfolie pro Rad und 1 Rolle Malerklebeband

Dieses Material haben wir bislang auch vor Ort in Baumärkten problemlos auftreiben können. Wenn wir mit unseren Rädern Richtung Flughafen unterwegs sind, wird das ganze Packmaterial in den extra großen Packsack verstaut und kommt hinten aufs Radl.

Am Flughafen angekommen gehen wir so vor:

  1. Sattel reinfahren und Sattelschutz drauf,
  2. Pedale abmontieren,
  3. Lenker um 90° drehen,
  4. an allen empfindlichen Teilen sowie dem Rahmen die Rohrisolierungen anbringen und
  5. anschließend das Rad der Länge nach in Luftpolsterfolie (die gibt`s in 5 und 10 m Rollen) einwickeln und verkleben - wie bei einem Geschenk.

Es empfiehlt sich immer, das Rad so zu verpacken, dass man es anschließend noch schieben kann und den Luftdruck in den Reifen deutlich zu senken. Sonst macht letzteres das Flughafenpersonal und reißt einfach die vorher sauber verpackten Räder wieder auf - das haben wir leider schon so erlebt.

 

Et voilà!

Transport von Backrollern, Frontrollern und Packsäcken

Wohin mit all den Radtaschen und sonstigen Gepäckstücken?

Nachdem die Räder selbst verpackt sind, kommen zwei extra große Packsäcke zum Einsatz. Hier werden alle Radtaschen und sonstigen Ausrüstungsgegenstände, die wir als ein Gepäckstück am Flugschalter aufgeben wollen, hineingelegt und verschlossen. Vor Ort lässt sich dieser große, aber leichte Packsack klein zusammenfalten und z.B. in einer Radtasche verstauen.

Aber Achtung: Am besten wiegt man alle geplanten Teile pro Seesack schon zu Hause, damit nicht das zulässige Gepäck-Gewicht überschritten wird. Wir kombinieren deshalb meist einen Backroller mit einem Frontroller und einem kleinen Packsack in einem großen Transportpacksack. 

Nachdem beim Transport das Gepäck nicht immer pfleglich behandelt wird, haben wir schon diverse Packsäcke für den Transport ausprobiert. Wir sind nun beim Tatonka Schutzsack mit 85L gelandet, der bereits drei Flüge mit nur kleinen Schrammen überstanden hat.

Als Handgepäck schnappen wir uns jeweils einen Backroller.

Welches Rad eignet sich?

Zur letzten Eingangsfrage - wie sensibel ist mein Rad?

Wir verwenden relativ solide MTB`s mit stabilen Alurahmen und Gepäckträgern als Reiserad und polstern beim Verpacken vor allem die sensiblen Teile, wie z.B. Bremshebel, (Scheiben-) Bremsen, Schaltwerk, Umwerfer.

Dies hat bisher gut funktioniert. Einen empfindlichen Carbonrahmen würden auch wir nur in einem Hartschalenkoffer transportieren.

 

Nur einmal kamen unsere Räder mit verbogener Bremsscheibe an: der Gepäckservice schob unsere Räder auf einem großen Rollwagen liegend zur Sperrgepäckausgabe, darüber türmten sich diverse XXL-Hartschalenkoffer! In diesem Fall helfen weder die Verpackung noch die eigene Vorsicht weiter.


Radtransport mit dem Flugzeug - Update für 2018

Hier kommt das eingangs angekündigte Update. Unsere seit Jahren bewährte Verpackung ist inzwischen bei fast allen Fluglinien nicht mehr zulässig und niemand will sich den Stress antun, den wir bei unserer Tour durch die Abruzzen kürzlich hatten. 

 

Was ist neu?

Leider haben Lufthansa und Eurowings seit einigen Monaten ihre Gepäckbestimmungen geändert und damit müssen die Räder jetzt in Kartons oder einem Radkoffer verpackt werden. Die Herausforderung besteht also darin, das Rad kleiner verpacken zu müssen als gewohnt.

 

Zu detailliert soll dieser Bericht nicht werden, daher nur folgende Tipps:

  1. Erkundigt Euch vor der Buchung des Fluges online über die aktuellen Transportbestimmungen für Sperrgepäck. Manche Fluglinien geben hier Maximalmaße vor, andere nicht. Pedelecs und alle Räder mit größeren Akkus werden übrigens gar nicht transportiert! Es gibt wohl die Angst vor sich selbst entzündenden Akkus.
  2. Sucht im Internet ebenfalls, ob auf der gewünschten Flugroute überhaupt Fahrräder mitgenommen werden. Auf manchen Regionalstrecken werden nur kleine Maschinen eingesetzt, die kein Sperrgepäck befördern können.
  3. Ist das geklärt, könnt Ihr den Flug buchen. Manchmal kann man das Sperrgepäck bequem selber online dazu buchen, oder man muss zuerst bei der Airline anrufen, ob noch Kapazitäten frei sind. Dann bucht man die Flugtickets für die Personen und muss anschließend noch einmal bei der Fluggesellschaft anrufen um das Sperrgepäck dazu zu buchen. Wirklich umständlich!
  4. Der Transport der Räder zum Flughafen ist die nächste Hürde. Bislang haben wir unsere unverpackten Räder mit den Radtaschen und dem Verpackungsmaterial problemlos in der Bahn zum Flughafen mitgenommen, oder wir sind selbst direkt hingeradelt. Vor der Gepäckaufgabe am Flughafen konnten wir die Räder dann in Ruhe selbst verpacken. Mit den sperrigen Radkartons klappt das nicht mehr. Für unsere nächste Reise werden wir daher die Räder zu Hause so weit zerlegen, dass sie in einen Standard-Radkarton passen. Auf diese Weise sparen wir am Flughafen Zeit beim Einchecken. Der Nachteil dieser Methode ist, dass wir ein Auto mit großem Kofferraum oder ein Großraumtaxi zum Flughafen benötigen. In der S- oder U-Bahn können wir schlecht 2 große Radkartons und 2 Seesäcke mit dem ganzen Gepäck vom Rad alleine transportieren. Oder Ihr fragt mehrere Freunde, die Euch zum Flughafen begleiten...

Fazit

Ja, der Radtransport mit dem Flugzeug ist manchmal etwas nervenaufreibend und erfordert vorherige Planung, doch vor Ort kann das nächste Abenteuer direkt am Flughafen beginnen! Durch die neuen Gepäckbestimmungen wird der Radtransport aus unserer Sicht unnötig erschwert. Wahrscheinlich ist dieser Effekt aber so gewollt, was wir sehr schade finden. Die Bahn stellt für viele Ziele leider auch keine Alternative dar, weil quasi in jedem Land andere Transportbestimmungen gelten und die schnellen Züge nur ein äußerst begrenztes Angebot an Plätzen haben. Das es funktionieren kann, haben wir in manchen vorbildlich ausgestatteten Regionalzügen erlebt, doch scheinbar sieht hier niemand einen Handlungsbedarf. An der Nachfrage würde es sicher nicht scheitern und aus ökologischer Sicht ist eine Zugfahrt ohnehin besser. Für unsere Art von Reisen ist normalerweise auch das Leihfahrrad vor Ort keine Option, so dass wir wieder beim Flugzeug landen.

 

Die schönste Alternative ist sicherlich, die gesamte Tour von der Haustür aus zu starten und zu beenden. So entgeht man all diesem Reisestress, aber die Welt ist zu groß oder das eigene Zeitfenster meist zu begrenzt, um immer so entspannt reisen zu können.

 

 

Welche Erfahrungen beim Radtransport mit Bus, Bahn oder Flugzeug habt Ihr gemacht? Wir freuen uns auf Eure Zuschriften an:

 

team@berghuhn.de