Radreise - was brauche ich wirklich?

Radln macht am meisten mit leichtem Gepäck Spaß, vor allem wenn`s die Pässe rauf und runter geht spürt man jedes Extra-Kilo an Gewicht. Was brauchst Du auf alle Fälle, was ist nice to have? Lies weiter und finde es heraus.

Fragen im Vorfeld

Genau wie bei der Packliste zum Wandern gilt auch hier: Weniger ist mehr! Unnützes Gepäck kann nerven, v.a. bergauf! Unsere Fragen sollen Dir bei der Planung der Tour im Vorfeld als Anregung dienen.

 

So, jetzt aber los mit unseren Gedanken:

 

  • Jahreszeit: Zu welcher Jahreszeit radle ich? Bin ich in den Bergen und muss evtl. noch mit Schnee rechnen? Dann wird die Liste lang...
  • Übernachtung: Schlafe ich nur in festen Unterkünften? Dann sollte man vorher die Unterkünfte reservieren, kann sich dafür neben dem  Zelt auch noch Isomatte, Schlafsack, Kocher Lebensmittel zum Kochen bzw. Frühstücken sparen.
  • Essen: Die Verpflegung ist natürlich enorm wichtig, um fit zu bleiben. Tipp: vorher bei Tagestouren erproben, welche Lebensmittel man gut verträgt und später nur soviel einpacken, wie man von einer Verpflegungsmöglichkeit zur nächsten benötigt. Wer öfter mal einkehrt und bei seinen Unterkünften frühstückt oder zu Abend isst, der kann sich auch den Kocher sowie Lebensmittel zum Kochen bzw. Frühstücken sparen. Da kommen schnell mehrere Kilos zusammen! Wir sind hingegen meist mit Zelt und Kocher unterwegs. Für den Zugewinn an Flexibilität nehmen wir das Mehrgewicht in Kauf.
  • Trinkwasser: Wir haben an unseren Rädern meistens jeweils zwei 0,75 l-Trinkflaschen dabei, die wir bei jeder Gelegenheit frisch befüllen. Zusätzlich führt jeder zwei 1,5 l Wasserflaschen mit, die wir je nach Bedarf nicht, ganz oder nur teilweise füllen konnten. Unsere Erfahrung zeigt, dass zumindest in den Alpen und teilweise auch in den Mittelgebirgen die Wasserversorgung an Quellen und Brunnen, (vor allem in den Zentren der Orte) problemlos klappt. Schwieriger kann sich das in sehr trockenen Gebieten darstellen. Im Extremfall schleppten wir mal über 8 l Wasser mit, doch das ist eine eigene Geschichte wert...
  • Orientierung: Für "normale" Touren auf Straßen hat uns bisher immer eine genaue Straßenkarte gereicht (Maßstab 1 : 150.000 oder kleiner). Vor allem in den Bergen existiert manchmal nur eine Straße im Tal, so dass die Orientierung einfach ist. Ein GPS-Gerät haben wir bislang nicht verwendet, fanden aber die Offline-Maps von Maps.Me und die Routen-App von komoot sehr hilfreich, vor allem wenn wir eine Adresse am Zielort in einem uns unbekannten Ort auffinden wollten.                                                                                                                                Will man hingegen eher im Bikepacking-Stil und offroad unterwegs sein, so sind detaillierte Wanderkarten und evtl. auch ein GPS unverzichtbar. Da wir es lästig finden, an jeder Ecke auf die Karte blicken zu müssen, fertigen wir uns für unsere Touren oft ein eigenes Roadbook an, dass wir griffbereit am Rad verstauen. Darin finden sich der Streckenverlauf, ein Höhenprofil sowie die ungefähren Tagesetappen mit den Zeltmöglichkeiten. Den größten Vorteil sehen wir darin, dass man sich so die Strecke schon im Vorfeld gut einprägt, seine eigene Freude auf die Tour steigert und vor allem nicht abhängig vom Strom oder dem Intenet für sein Smartphone ist. Natürlich gibt`s auch hier einige Lösungen, meist ist das aber mit einem spürbaren Mehrgewicht verbunden, siehe unsere Eingangsüberlegungen.
  • Bekleidung: Wir fahren unsere Touren eher im Sommer (oder zumindest in wärmeren Gefilden), so dass wir keine spezielle Kleidung für tiefe Temperaturen benötigen. Die gesamte hier vorgestellte Ausrüstungsplanung basiert darauf.
Reiserad bepackt, Frontroller, Backroller, Seesack, Packsack, Flaschenhalter

Packliste Radreise

Hier unsere Liste, die uns bisher als guter Leitfaden gedient hat - aber ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • 2-Personenzelt mit Zeltunterlage (wir sind bisher gut mit dem Hilleberg Nallo 2 unterwegs; zugegeben teuer, aber sehr solide)
  • (Daunen-) Schlafsack + Inlay (für mehr Wärmeleistung)
  • Isomatte (Therm-A-Rest Prolite), keine Luftmatratze, da diese in der Regel nicht wärmen
  • Gaskocher mit Topf,  Gaskartusche mit passendem Adapter (Edelrid Ventilkartuschen Adapter) für den Kocher - mehr dazu unter Outdoorküche.
  • Teller, Haferl, Besteck, Taschenmesser
  • Stirnlampe (wer definitiv nur tagsüber unterwegs ist, ist mit einer kleinen LED-Lampe, z.B. von Petzl gut ausgerüstet; falls die Touren mal länger dauern empfehlen wir Lupine Pico 4, sie lässt sich sehr flexibel am Rad oder auch am Helm befestigen)
  • Kulturbeutel mit dem nötigsten Inhalt & Taschentücher, außerdem Sonnencreme & Lippenschutz
  • Erste Hilfe Set (hier erklärt Dir Turbodoc was alles dazu gehört)
  • Karten und eigenes Roadbook (siehe Beschreibung oben)
  • Waschlappen und/oder kleines Handtuch (toll ist das Sea to Summit Pocket Towel)
  • Falteimer: praktisch zum Wasser holen und Wäsche waschen
  • Regenjacke, Regenhose, Gamaschen für die Schuhe
  • Handschuhe + Mütze (vor allem die Mütze ist superpraktisch für kalte Nächte)
  • Schlauchschaal von Buff (dient auch als zusätzlicher Sonnenschutz)
  • Kopfbedeckung (Kappe) + Helm
  • Sonnenbrille
  • 1 lange Wanderhose (für den Abend/Morgen)
  • 1 kurze Wanderhose (alternativ für die Mädels Rock oder Kleid)
  • 1 Longsleeve
  • 1 lange Unterhose/Tight/Legging
  • für die Mädels: min. einen Sport-BH
  • 1 Fleecejacke / 1 Primaloft-Jacke
  • 2 Funktions-T-Trikots sowie kurze Radhosen mit Beinlingen für kühle Tage
  • 1 Windstopper-Langarmtrikot
  • 1-2 x Funktionsunterwäsche
  • 2 Paar Radsocken, dick und dünn (+ 1 Paar dünne Wollsöcklinge - wärmt im Schlafsack wunderbar kalte Mädelsfüße)
  • wasserdichte Packsäcke für die Wäsche; so kommt Ordnung ins Gepäck
  • Schnur + Wäscheklammern (hier gib`s super kleine und leichte von Ortec)
  • gute Radschuhe mit Klickpedalen
  • Handy & Ladegerät
  • Kamera & ggf. Ersatzakku
  • Perso & Auslandskrankenversicherung
  • Bargeld 
  • ultraleichte Badeschlappen oder Flip Flops für die Dusche am Zeltplatz
  • Lebensmittel für die ersten 1 1/2 Tage bzw. Energieriegel, die man gut verträgt und nach dem fünften Riegel auch noch schmecken - mehr dazu unter Outdoorküche
  • Wasser - hier verwenden wir unterschiedliche Größen einfacher PET-Flaschen in den Radtaschen, die wir regelmäßig wechseln und führen jeder noch 2 Stück 0,75 l-Trinkflaschen im Flaschenhalter am Rad mit. Wasserfilter und ähnliches war bei unseren Touren bislang kein Thema. Für den Notfall haben wir Micropur Tabletten dabei, allerdings hatten wir sie noch auf keiner Tour in Verwendung.
  • 2 Hinterrad-Gepäcktaschen von Ortlieb (siehe Beschreibung unten) + 1 Seesack von Ortlieb hinten
  • (Clemens hat zusätzlich 2 kleinere Ortlieb-Fronttaschen vorne dabei, für den schnellen Zugriff on Tour, v.a. für`s Essen ... :-))
  • Packriemen und Expander

 

Wenn Du weniger mitnehmen willst oder die Teile zu schwer sind, gäbe es folgende Einsparmöglichkeiten:

  • Gaskocher mit Topf (und Adapter); wer nicht viel Wert auf warmes Essen oder einen morgendlichen heißen Kaffee oder Tee legt, der kann die Teile getrost daheim lassen. 
  • Zelt, Isomatte, Schlafsack: für alle die nur in festen Unterkünften übernachten
  • Lebensmittel und Wasser: wer es sich leisten kann und will immer Essen zu gehen, kann hier Gewicht sparen

 

Tipp zum Schluss:

Klingt komisch, ist aber praktisch: Alle Teile, die in unseren Gepäck kamen, wurden zuerst mit der Küchenwaage gewogen. Kann man sich nicht zwischen zwei Teilen entscheiden - einfach wiegen und das Leichtere einpacken!


Zelt

Zelt, 2 Personenzelt, Tunnelzelt, 4-Jahreszeiten Zelt, Hilleberg Naldo 2

2-Personenzelt mit Zeltunterlage

Wir sind bisher gut mit dem Hilleberg Nallo 2 unterwegs gewesen. Zugegeben, es gibt wesentlich preiswertere Zelte, doch die Stabilität und Einfachheit des täglichen Auf- und Abbaus haben uns voll überzeugt. Alle anderen Ultra-Leichtgewichtszelte haben uns bisher nicht überzeugt und bei jedem heftigen Unwetter, das wir bislang erlebten, stand unser Zelt wie der sprichwörtliche Fels in der Brandung, während manche Zeltnachbarn in Panik gerieten.

Wir empfehlen unbedingt, eine passende Zeltunterlage ("Footprint") zu verwenden, um erstens den eigentlichen Zeltboden v.a. vor Dornen, spitzen Steinen aber auch vor Schmutz zu schützen. So lässt sich ein nasses Zelt zumindest relativ sauber einpacken.

 

Ideal ist dieses Zelt für alle, die Wert legen:

  • Stabilität auch bei schlechtem Wetter
  • geringes Gewicht
  • leichter Auf- und Abbau durch das gekoppelte Innen-/Außenzelt - selbst im Regen
  • die auch mal bei tieferen Temperaturen oder sogar bei Schnee zelten.

Eher nicht einsetzen würden wir dieses Zelt bei einem reinen Badeurlaub am Strand, wenn den ganzen Tag die Sonne draufknallt und das wochenlang. Dazu ist es uns schlicht zu schade. Hier reicht ein einfaches Zelt.

Gepäck am Rad

Gepäckträger, Tubus Cargo mit Fußverlängerung

Die Auswahl an möglichen Gepäckträgern, vor allem für hinten, ist riesig - scheinbar.

Da wir viel Wert auf Zuverlässigkeit und Funktionalität legen, empfehlen wir die Gepäckträger von Tubus. Hier gibt es für fast jeden Einsatzzweck ein passendes Modell, für vorne und hinten. Im Bild seht Ihr das Modell Cargo mit der silbernen Fußverlängerung. Diese dient dazu, dass Leute mit größeren Füßen beim Treten nicht mit den Fersen an die Radtaschen anstoßen - sehr praktisch! 

(Das abgebildete Reiserad hat andere Modelle, die wir Euch später gesondert vorstellen.)

Radtaschen

Ortlieb, Backroller, Frontroller, wasserdichte Radtasche

Radtaschen sind für eine Radtour unerlässlich und die Auswahl ist groß. Ortlieb ist nicht umsonst der Marktführer bei hochwertigen Radtaschen. 

Klar, es gibt günstigere Anbieter, doch uns überzeugt an diesen Taschen, dass:

  • sie absolut wasserdicht sind
  • sich superleicht am Rad befestigen und auch abnehmen lassen (dies ist zum Beispiel beim Transport mit der Bahn wichtig)
  • sie solide verarbeitet sind und lange halten
  • wenn mal z.B. eine Schnalle oder ein Riemen ersetzt werden müssen, gibt es passende Ersatzteile zu kaufen.

Zur Illustration habe ich (siehe auch oben) mein beladenes Reiserad abgebildet:

bepacktes Reiserad, Frontroller, Backroller, wasserdichte Radtaschen, Flaschenhalter, Packsäcke

Radtaschen

vorne: 2 Ortlieb-Frontroller, 20 l/Paar

hinten: 2 Ortlieb-Backroller, 40 l/Paar (diese sind fast 18 Jahre alt und gut in Schuss!)

hinten oben: Ortlieb-Packsack, 35 l

vorne oben: Ortlieb-Packsack 7 l

wasserdichte Packsäcke

Ortlieb Packsäcke klein, unterschiedliche Größen und Farben

Schon wieder Ortlieb? Richtig, da wir mit diesen Packsäcken bisher sehr gute Erfahrungen gemacht haben, sprich sie sind wasserdicht.

Es gibt sie in unterschiedlichen Farben, Größen und Materialstärken. Die hier abgebildeten Säcke sind aus dünnem Material, das sich eher für den Einsatz im Rucksack oder in einer Radtasche eignet.

Packriemen + Expander

Packriemen, Expander, zum Befestigen von Packsäcken

Zum Befestigen der Packsäcke am Rad verwenden wir Packriemen oder Expander.

Energieriegel

Snickers, Zorn Haferkraft, Ostsnack, Energieriegel, Schokoriegel

Hier möchten wir Euch nur relativ allgemeine Tipps geben, denn professionelle Ernährungsratgeber gibt es genug. 

 

Neben den Lebensmitteln für die Tour, die wir immer vor Ort versuchen einzukaufen, haben wir als (Not-)Reserve immer etliche Energieriegel dabei. Die Anzahl variiert mit der Versorgungslage im Reiseland bzw. auf den Tagesetappen.

 

Für uns bewährt haben sich die Energieriegel von OATSNACK, Powerbar und Corny. Diese gibt`s in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Daneben finden wir Nüsse und getrocknete Früchte wie Feigen, Rosinen, Äpfel usw. prima. Sie sind gesund, haben eine hohe Energiedichte und schmecken uns gut.

Essen und Trinken

Genießen! Wir sind keine sich selbst kasteienden Asketen, wir wollen die örtlichen Spezialitäten des Landes auf unseren Touren genauso erleben, wie Land und Leute. Gutes Essen ist für uns ein Teil der Kultur, der entdeckt werden will. Dies fließt auch in die Bewertung des Dolce-Faktors bei jeder Tour mit ein.

 

Generell nehmen wir immer soviel Proviant mit auf Tour, wie wir von einem Verpfle-gungsort zum nächsten benötigen, z.B. für einen Tag. Wir kaufen alles Benötigte auf Märkten und in Supermärkten ein. Als Reserve haben wir immer einige Energie-riegel dabei, falls mal weit und breit kein (Super)Markt in Sicht ist.

minimalistischer Rucksack

Leichtgewichtsrucksack, 80g, leichter Packsack mit Trageriemen

Da wir beim Radln am liebsten ohne Gepäck am Rücken unterwegs sind und nicht zusätzlich einen Rucksack verstauen können, haben wir dieses ultraleichte Modell entdeckt. Im Prinzip ist es ein leichter, wasserdichter Packsack mit 2 leichten Schulterriemen, aber ohne Rückenpolster. Klasse geeignet, wenn man abends mal einen Stadtbummel einlegt oder man morgens zum Waschhaus läuft.



Anmerkung am Schluss

Zu Recht mag mancher jetzt fragen, wieso das oben abgebildete Rad derart beladen ist. War nicht mal von "weniger ist mehr" als Prämisse die Rede? Stimmt, doch dies war eine Radtour im Frühjahr, mit äußerst wechselhaftem Wetter, konkret mit viel Wind, Regen und kühlen Temperaturen. Entsprechend war die Ausrüstung anzupassen. Das erste Frühstück fand übrigens bei 7°C im Innenzelt statt, um das Zelt waberte noch der Morgennebel...