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Wir testen das neue Specialized Diverge Expert X1

Specialized Diverge Expert X1
(Foto Specialized) Specialized Diverge Expert X1
Specialized Diverge Comp Smartweld
(Foto Specialized) Specialized Comp Smartweld

Endlich war es soweit, im Oktober 2018 hatte ich die Gelegenheit, das neue Men's Diverge Expert X1 mit einem stolzen Verkaufspreis von 4699 € selbst zu testen und auch das Wetter war traumhaft, perfekte Bedingungen also für einen Test. Ist das neue Diverge wirklich so viel besser als sein Vorgänger?

Ich selbst fahre das Diverge Comp Smartweld, ein Modell mit Alurahmen, Carbongabel und Ösen für eine Gepäckträgermontage. Bisher habe ich es sowohl als komfortables Rennrad mit gelegentlichen Abschnitten auf Schotterpisten als auch als schnelles Reiserad (hier gehts zum Video+Reisebericht) verwendet. Zur ausführlichen Ausstattungsliste geht es hier).

 

Gerade auf Gravelstrecken ist der Komfortgewinn gegenüber einem klassischen Rennrad dank spürbar flexender Carbonsattelstütze, Carbongabel  und 32 mm breiten Reifen gewaltig. Trotzdem hätte ich mir auf schlechtem Untergrund an der Front noch etwas mehr Komfort gewünscht und genau hier wurde es interessant. 


 

Die Beschreibung auf der Homepage von Specialized klang spannend, mehr Komfort an der Gabel durch eine im Steuerrohr integrierte Federung mit 20 mm Weg, eine leicht modifizierte Geometrie im Vergleich zur ersten Generation des Diverge und nochmals mehr Reifenbreite bis 42 mm (bzw. 38 mm bei den Alu-Rahmen) statt vormals 35 mm.

Der erste Eindruck

Specialized Diverge Expert X1
Specialized Diverge Expert X1

Optisch hat sich im Vergleich zum Modell von 2015 einiges geändert. Der Rahmen des getesteten Modells Expert X1 ist aus Carbon, das Oberrohr ist gerade und fällt zum Sitzrohr ab, die Sitzstreben sind tiefer angebracht und der Lenkwinkel soll etwas flacher sein. Als Schaltung ist eine SRAM Force 1x11 Gruppe mit hydraulischen Scheibenbremsen verbaut. Die Reifen sind 38 mm breite hauseigene Sawtooth Reifen, die sich auf Tubeless umrüsten lassen und auf einem noblen Roval-Carbonlaufradsatz von Specialized montiert sind. Der Rennlenker hat jetzt an den Enden 12 Grad Biegung nach außen (Flare) um das Handling abseits der befestigten Straßen zu verbessern. Und klar, das Rad ist leicht! Alle Details zum Rad gibts hier.

Fahrtest

Ich war heiß auf den ersten Fahrtest. Vom Firmengelände ging`s zuerst auf die Straße und ich konnte die für mich ungewohnte SRAM-Rennradschaltung testen, da ich hier bisher nur mit Shimano fuhr. Die Umstellung klappte problemlos, die Gangwechsel lassen sich knackig und schnell durchführen und auch die 1x11 Gruppe schien von der Übersetzung her passend zu sein. Die Reifen rollen trotz des Profils leicht ab, aber etwas schwerer als ein reiner Rennradreifen. Der Lenker greift sich angenehm und die Sitzposition ist recht aufrecht. Da mir das verspielte Handling von meinem Diverge sehr vertraut war, ging`s nach der kurzen Eingewöhnung runter von der Straße und rauf auf die Feld- und Schotterwege der Umgebung. Erst jetzt zeigte sich der Charakter des Rades so richtig. Asphaltstraßen sind schön, entspannt, aber dieses Rad will lieber mit Tempo über Gravel fliegen. Dank des gefühlt sehr leichten Rades mit einem steifen Rahmen macht das auch mächtig Laune und die Federung im Steuerrohr arbeitet spürbar. Fast könnte man vergessen, dass es sich im Grunde um ein ungefedertes Rad handelt, so sicher und flott lässt es sich selbst auf ruppigem Untergrund fahren. Mit einem normalen Rennrad wäre diese Strecke jedenfalls eine Tortour gewesen. Lehm, manchmal Sand und loser Schotter, bergauf und bergab, auf der kurzen Testrunde war alles dabei. Erst bei gröberen Steinen wird man daran erinnert, nicht auf einem MTB zu sitzen. Zurück auf Asphalt konnte ich beim letzten Sprint die Reaktion des "Future Shock Progressive" Systems im Steuerrohr testen. Man spürt dabei die vertikale Nachgiebigkeit der Federung, trotzdem ist das Fahrverhalten angenehm direkt.

Fazit

Auf der kurzen Testrunde konnte ich einen ersten, sehr positiven Eindruck des neuen Diverge gewinnen. Es ist dank breiterer Reifen, der neuen Federung im Steuerrohr, der Lenkerform und des einfachen 1x11-Antriebs wesentlich besser für Ausritte jenseits der asphaltierten Wege gemacht als sein Vorgänger. Wer hingegen fast nur auf Asphalt unterwegs ist, der wünscht sich schmalere Rennradreifen, die leichter rollen und einen Rennlenker mit geraden Enden. Was ich persönlich vor einem Kauf testen würde, wäre die Möglichkeit Gepäck am Rad zu transportieren. Mit Bikepacking-Taschen sollte es keine Probleme geben, nur die hauseigene Satteltasche (Burra Burra Stabilizer Seatpack) lässt sich wegen der Aluklemme nicht mit der am Rad verbauten Carbonsattelstütze kombinieren. Allerdings sollte man bei diesem Sportgerät lieber weniger Gepäck mitnehmen, sonst bleibt der Fahrspaß auf der Strecke. Als Fazit bleibt für mich, dass mir beide Versionen des Diverge sehr gut gefallen, es hängt eher vom persönlichen Einsatzbereich ab, welches Rad einem besser passt. Das neue Diverge ist jedenfalls deutlich offroad-tauglicher geworden als sein Vorgänger.

und schließlich...

Diese Beschreibung gibt nur meinen persönlichen Eindruck wieder. Mein Grinsen wurde während der Fahrt jedenfalls immer breiter, nur schade dass ich das Rad am Ende wieder abgeben musste.

 

Welchen Eindruck habt Ihr von diesem Rad? Schreibt uns wie immer eine Mail an:

team@berghuhn.de