Buon Giorno Liguria!

Blick vom Monte Zatta nach Osten
Blick vom Monte Zatta nach Osten

Mit Ligurien verbinden die meisten die bunten Häuser der Cinque Terre und von der Steilküste eingerahmte Strände. Doch hier gibt es mehr zu entdecken als nur den Strand und die Küste. Ligurien ist die drittkleinste Region von Italien, deren 300 km lange Küste zwischen der Côte d'Azur in Frankreich und der Toskana in Italien liegt und deren Fläche zu Zweidrittel bewaldet ist.

Für uns am spannendsten ist das Ligurische Hinterland bzw. der Ligurische Apennin, denn dieses Mal waren wir zum Wandern hier. Nachdem wir für zwei Wochen unsere Basis nahe der Küstenstadt Chiavari hatten, waren für uns vor allem die Berge des nahen Parco Naturale Regionale dell' Aveto interessant, durch den auch der bekannte Alta Via dei Monti Liguri führt. Das ist ein Weitwanderweg, der von der französisch-italienischen Grenze entlang der höchsten Berge und Kämme im Zickzack bis nach La Spezia verläuft. Doch nicht alle Teile davon sind für  Wanderer wirklich spannend. Wir waren auf der Suche nach besonders lohnenswerten Wanderungen in dieser schönen Region und stellen Euch hier unsere Auswahl an Tageswanderungen vor, die allesamt als Rundtouren geplant sind. Diese 5 Touren wurden uns von Einheimischen als besonders schön empfohlen und das waren sie in der Tat! Denn bei unserer Planung zu Hause stellten wir fest, dass zumindest in Deutschland von dieser Ecke keine Wanderkarten verfügbar waren. Wir sahen das als Chance,  mal eine neue Ecke zu erkunden. Die Tourdaten findet Ihr jeweils am Ende von jeder Tour auf komoot zum Download.

Das Video zur Tour

Die 5 Touren


Monte Zatta, Ligurien, Italy, Parco Aveto, Naturpark Veto

 

 

Der dicht bewaldete Monte Zatta (1404m) war unsere erste Tour. Die Entfernung und die Höhendifferenz sind sehr moderat, das erschien uns ideal als Start in den Bergen und um ein Gefühl für das Terrain zu bekommen. Wir starteten sehr bequem an einem kleinen Parkplatz am Passo del Bocco und bogen schon nach ein paar Schritten in einen lichten Buchenwald ein, der angeblich der schönste von ganz Ligurien sein soll. Das können wir nach den wenigen Touren zwar nicht beurteilen, doch schön war er tatsächlich und vor allem war die Tour menschenleer. Wir begegneten an dem Tag während der gesamten Rundtour gerade mal einem einzigen Wanderer und das gleich zu Beginn. Der Weg ist gut markiert mit einem roten A10, aufgepinselt alle paar Meter auf einen Baumstamm oder Felsen. Das A steht hier für Rundweg, d.h. man gelangt wieder zurück zum Ausgangspunkt der Tour. Technisch war der Weg einfach, erst im Gipfelbereich verläuft er aussichtsreich auf dem felsigen Kamm an der Felskante entlang. Nach Norden sieht man hingegen nur dichten Laubwald, der bis zum Gipfel reicht. Wirklich schwindelfrei muss man also nicht sein, trittsicher hingegen schon. Wir genossen die überraschend klare Sicht und die milde Luft, denn am Vortag hatte es kräftig gewittert und stundenlang wie aus Kübeln gegossen. Nach dem Kamm bog der Weg wieder in den Buchenwald ein und etwas unterhalb des Gipfels stießen wir auf eine Quelle mit kaltem Wasser. Wir füllten unsere Trinkflaschen auf und stiegen weiter ab zurück zum Auto. Die erste Tour war wirklich klasse gewesen, vor allem hatte uns die Fernsicht zur Küste begeistert. Im Dunst konnten wir sogar die Inseln Elba und Korsika erkennen!


Monte Penna, Ligurien, Italy

 

  

Die Aussicht vom Monte Penna (1735m) soll überragend sein und so waren wir gespannt, ob sie tatsächlich noch besser sein würde als bei unserer ersten Tour auf den Monte Zatta. Erneut hatten wir Glück mit dem Wetter, es war klar und sonnig. Unser Auto stellten wir auf einem kleinen Parkplatz am Passo del Chiodo ab und liefen zunächst die ersten 3 km fast eben und parallel zu einer Asphaltstraße auf einem breiten Forstwegen durch einen lichten Laubmischwald. Am Rifugio Casermette del Penna waren wir dann nicht mehr allein. Dutzende Ausflügler, zum Teil mit dem Wohnmobil, parkten vor dem großen Haus und es waren noch viele Parkplätze frei für weitere Besucher. Die gute Sicht vom Gipfel war unter den Einheimischen offensichtlich kein Geheimnis. Ab jetzt verläuft der Anstieg auf einem gut ausgebauten und markierten Pfad und wir trafen zahlreiche Wanderer, oft waren ganze Familien unterwegs. Kurz unterhalb des Gipfels weicht der Wald zurück und der Pfad verläuft über einen breiten und von Gras bewachsenen Hang. Am Gipfel steht eine kleine Kapelle und daneben eine Marienstatue, vor deren Errichtung sich die angrenzenden Regionen lange stritten, in welche Richtung sie denn schauen sollte, da genau hier ihre Grenzen aufeinandertreffen. 

Darüber machten wir uns keine Gedanken, wir genossen lieber die geniale Aussicht und das 360° Panorama. Wir konnten über die Berge des Apennin im Westen bis zu den Alpen blicken, von denen sogar einige schneebedeckte Berge im Dunst zu erkennen waren. Im Norden ließ sich die Poebene zumindest erahnen, im Osten zeigten sich zahlreiche weitere Gipfel des Apennin und im Süden die Küste und das Meer. Selbst die Berge Korsikas waren deutlich zu sehen. Wow! 

Wir genossen die Pause am Gipfel und stiegen dann, unserem Rundweg A5 folgend, nach Norden ab. War der Aufstieg noch ein bequemer Wanderweg und anfangs sogar ein breiter Forstweg gewesen, so kam jetzt gleich zu Beginn ein kurzer Klettersteig mit einigen Stahlketten zum Festhalten. Gut hundert Höhenmeter geht es zum Teil luftig abwärts. Wir freuten uns über die Abwechslung auf der Tour, denn auch die Scharen von Wanderern waren wir damit los. Nur eine Familie kraxelte uns entgegen. Wer nicht schwindelfrei ist, der sollte auf dem Anstiegsweg zurücklaufen, oder die Tour in der Gegenrichtung laufen. Dann kann man den Klettersteig bergauf bewältigen und man läuft auf einfachen Wanderwegen bergab. Etwas unterhalb des felsigen Gipfelaufbaus wird der Weg dann wieder bequem und er taucht in einen dichten, hellen Buchenwald ein. In einem schönen Bogen gings abwärts zurück zum Startpunkt der Tour. Einzig eine Quelle fanden wir diesmal nicht.

 

Rückblickend können wir sagen, dass der Monte Penna wirklich ein Parade-Aussichtsberg ist, allerdings ist hier auch viel los, da mehrere bewirtschaftete Hütten in der Nähe liegen und die Asphaltstraße zum erwähnten Rifugio Casermette del Penna recht nah an den Gipfel heranreicht. Wer von dort startet, der muss gerade einmal 340 hm überwinden.


Nozarego, Portofino, San Fruttuoso, Ligurien, Italy

 

 

Zumindest eine Küstenwanderung mit einem Bad im Meer wollten wir während unseres Urlaubs unternehmen. Als Bademöglichkeit auf dieser Tour bieten sich die Strände in Parragi, gleich zu Beginn, sowie in der Bucht kurz vor dem Kloster San Fruttuoso an. Die Klosteranlage soll malerisch in einer Felsenbucht am Meer liegen und das bekannte Hafenstädtchen Portofino wollten wir uns ebenfalls nicht entgehen lassen. Beide Orte befinden sich auf einer großen Landzunge in dem wunderschönen Parco Naturale Regionale di Portofino  an der Küste und sind am besten mit dem Boot oder zu Fuß zu erreichen. Die Touristenboote fahren jedoch nur bei gutem Wetter und ohne Wellen. 

Wir hingegen wollten die Tour komplett wandern und starteten an der Kirche in dem Örtchen Nozarego, das etwas oberhalb des Hafens und Bahnhofs von Santa Margherita Ligure aussichtsreich auf einem Hügel liegt. Im ständigen Auf und Ab folgten wir einem perfekt gepflasterten und beleuchteten(!) Wanderweg nach Portofino. Jedoch war die klare Luft der letzten Tage einer schwül-heißen Suppe von 32°C gewichen und unser Frühstück war einfach zu lecker gewesen, so dass es schon halb elf am Vormittag war, bis wir endlich starteten. Die meiste Zeit verläuft der Weg zum Glück im Schatten der Pinien und Bäume und oft gab es schöne Blicke auf das blaue Meer. Wir liefen entspannt dahin, bis plötzlich ein stattliches Wildschwein samt Jungtieren vor uns über den Weg trottete. Wir waren überrascht, denn in Sichtweite reihten sich einige bewohnte Häuser aneinander und auch ein paar andere Fußgänger waren mit uns unterwegs, doch die Wildschweine schien das nicht groß zu stören. Später erfuhren wir, dass durch die Pandemie die Jagd derzeit nur eingeschränkt ausgeübt wird, so dass sich diese gerade stark vermehren. 

In Portofino angekommen war uns dann der Rummel zu groß, so dass wir lieber die Aussicht von einem Hügel etwas oberhalb auf den Jachthafen genossen. Zwischen stattlichen Häusern verlief der Weg ab jetzt weiter, steil bergauf und in der prallen Mittagshitze entlang der Küste. Es wechselten schattige mit sonnigen Abschnitten, sowie mehrere Auf- und Abstiege auf einem schmalen Wanderweg. Zum Teil boten sich spektakuläre Blicke auf die bewaldete Felsenküste, bis es schließlich 250 hm steil bergab zur Bucht mit dem Kloster San Fruttuoso ging. Hier gibt es einen kleinen Strand mit einer schönen Bademöglichkeit. Doch wir hatten Pech, denn jeder Quadratmeter der kleinen Bucht  war voll mit Menschen, die sich aneinander drängten und in der Bucht davor lagen zahlreiche Motorboote vor Anker. Große Ausflugsbote karrten weitere Touristen heran, Schiffsmotoren dröhnten und wir kamen uns fast vor wie an einem Busbahnhof, nur lag dieser hier auf dem Wasser anstatt an Land, so dass wir direkt weiter wanderten. Nur ein paar Meter oberhalb des Klosters waren wir dann wieder fast alleine unterwegs. Der Rückweg verlief schön grün durch den Wald, anfangs ging es steil und sonnig bergauf und sogar eine hübsche Einkehrmöglichkeit in dem Agririfugio Molini hätte sich angeboten. Manche Abschnitte des Weges verliefen hier fast wie durch einen Dschungel, so dicht wucherten hier die Büsche und Bäume, die offensichtlich erst vor kurzem zurückgeschnitten wurden, um den Weg freizuhalten.

Rückblickend war die Tour zwar schön gewesen, allerdings war die schwüle Hitze an dem Tag extrem gewesen, so dass wir diese Tour nur bei deutlich kühlerem Wetter ab Ende September/Anfang Oktober oder im Frühjahr empfehlen können. Dann bietet sich auch die gesamte Wanderung um die Halbinsel herum an. Von Camogli führt ein aussichtsreicher und sonniger Wanderweg entlang der Küste nach San Fruttuoso und weiter bis nach Portofino und Nozarego bzw. Santa Margherita Ligure. Zwischen Camogli und Santa Margherita verkehrt der Regionalzug entlang der Küste, so dass man den Rückweg mit der Bahn antreten kann. Allerdings wurde uns gesagt, dass diese Bahnverbindung im Sommer oft überlastet ist.


Monte Ramaceto, Ligurien, Italy

 

 

Den felsigen Gipfelgrat des Monte Ramaceto (1345m) konnten wir schon mehrmals bei Sonnenaufgang bewundern. Nach Süden hin bildet er den Abschluss eines weiten Talkessels, der fast wie ein riesiger Vulkankrater wirkt. Nach Norden ist der Monte Ramaceto bis zum Gipfel hin von einem schönen Buchenwald bestanden, ähnlich wie am Monte Zatta.

Wir starteten unsere Tour früh am Morgen in der aufgehenden Sonne vom Parkplatz am Passo della Forcella aus. Der Weg verläuft hier anfangs wieder auf dem Alta Via dei Monti Liguri. Aussichtsreich verläuft der gut markierte Steig zunächst auf einem Grat entlang und folgt dann der Bergflanke unterhalb des Monte Cavallo. Nach knapp 2 km biegt der Weg bei einem Sattel rechts ins Unterholz ab. Für ein paar hundert Meter folgt man ab jetzt einem kaum erkennbaren und meist von Gras und Büschen überwucherten Pfad entlang eines Baches abwärts, bis man auf einer großen Lichtung mit einer Wiese auf einen Forstweg stößt. Hier folgten wir dem Weg weiter abwärts in Richtung Rifugio Ventarola, bis wir deutlich davor den Bach an einer kleinen Holzbrücke nach links überqueren konnten. Ab hier ist der Weg auch wieder besser markiert. Wir folgten dem Forstweg talaufwärts, bis aus dem Fahrweg wieder ein kaum markierter Pfad  wurde. Steil gings ab jetzt durch einen schönen Buchenwald immer dem Bach folgend aufwärts, bis wir irgendwann fast weglos am Passo Ventarola, einem dicht bewaldeten Grat, erneut auf dem Alta Via dei Monti Liguri landeten. Wir folgten diesem gut markierten Weitwanderweg nach Süden bergauf, bis wir auf einer grasbewachsenen Bergflanke einen schönen Ausblick nach Norden, Westen und Süden hatten. Zügig verläuft der Pfad bis zum westlichen Gipfel des Monte Ramaceto zu einer kleinen Kapelle und folgt ab jetzt sehr aussichtsreich dem langen, felsigen, aber einfach zu gehenden Gipfelkamm nach Osten bis zum Hauptgipfel des Monte Ramaceto. Die klare Luft des Tages bot uns erneut eine super Fernsicht. Der Blick reichte weit, von Westen nach Süden und über die Gipfel des Apennin im Osten. Nur nach Norden hin sahen wir durch den Wald wenig. Wir genossen die Ruhe und beobachteten sogar einen vorbeifliegenden Steinadler und andere Greifvögel. Was für ein Spektakel! Der Berg ist Teil des Parco Naturale Regionale dell` Aveto, dem angeblich artenreichsten und ökologisch wertvollsten Abschnitt des Apennin. Beflügelt stiegen wir auf dem Alta Via nach Norden hin durch den wunderschönen Laubwald ab und trafen wenig später auf eine unscheinbare Quelle mit glasklarem und eiskalten Wasser, die neben einem kleinen Haus entspringt. Es lohnt sich hier die Trinkflaschen aufzufüllen. Weiter abwärts trafen wir wieder auf den Abzweig vom Morgen und liefen zurück zum Ausgangspunkt der Tour am Passo della Forcella. 

Die Tour auf den Monte Ramaceto war rückblickend großartig. Von Beginn an waren wir überwiegend auf kleinen Pfaden und Steigen unterwegs gewesen, meist war es durch den Laubwald angenehm schattig und immer wieder gab es Aussichtspunkte. Auch das Wetter war perfekt und wir wurden mit einer tollen Aussicht und einem Naturspektakel belohnt. Was will man mehr? Nur eine Hütte gibt es hier nicht.


Monte Aiona, Ligurien, Italy

 

 

Wir mussten etwas überlegen, welche Tour wir als Abschluss unseres Aufenthalts in Ligurien gehen wollten, denn bisher waren sie alle sehr schön gewesen. Die Wahl fiel auf den Monte Aiona (1701), den höchsten Berg der Region und des Parco Naturale Regionale dell` Aveto. Bei unserer Tour auf den Monte Penna konnten wir bereits sein beeindruckendes Gipfelplateau aus der Ferne betrachten und waren entsprechend gespannt.

Wir starteten erneut sehr früh, zum einen um der Mittagshitze zu entgehen und zum anderen waren für den Tag ab dem frühen Nachmittag Gewitter vorhergesagt. Aufgrund der exponierten Lage wollten wir diese gerne umgehen. Los gings auf die Rundwanderung am Passo dei Ghiffi an einem kleinen Parkplatz. Sofort biegt ein kleiner und steiler mit A8 bezeichneter Steig von der Straße ab und führte uns durch einen Kiefernwald auf einen Sattel. Was der nur auf italienisch verfasste Hinweis zu Beginn des Weges bedeuten würde, sollten wir später noch erfahren.

Vom Sattel aus verlief der Weg aussichtsreich, aber dafür fast ohne Schatten über Almwiesen nach Norden und folgt hier wieder dem bekannten Alta Via dei Monti Liguri. Teilweise verlief der Steig entlang des Kammes über den Rocca della Scaletta, einem kleinen Gipfel. Knapp 1 km später bog unsere Route vom gut markierten Alta Via in Richtung Rifugio Pratomollo ab. Hatten wir den richtigen Abzweig verpasst? Jedenfalls liefen wir nach ein paar Minuten weglos durch den zum Glück lichten Laubwald auf der Suche nach dem Weg in Richtung Pratomollo. Erst nach einer Weile trafen wir wieder auf die Wegmarkierungen und landeten recht unvermittelt an einer weiten Wiese vor dem Rifugio. Hütte ist im Grunde die falsche Bezeichnung für dieses große Gebäude, das aussichtsreich am Waldrand liegt.

Hier trafen wir zum ersten Mal für heute auf andere Wanderer und Ausflügler, die auf einem Parkplatz unweit des Rifugio ihren Anstieg zum Monte Aiona begannen. Wir liefen zügig weiter und folgten für ein paar hundert Meter einer breiten Schotterstraße bergauf, bevor der eigentliche Gipfelanstieg auf dem Alta Via begann. Aussichtsreich, aber ab jetzt komplett ohne Bäume und somit ohne Schatten verläuft der Pfad steinig bergauf über weite Wiesenhänge, bis man auf dem weiten Gipfelplateau landet. Hier gibt es gleich mehrere Gipfel, die eher wie kleine Erhebungen auf einer weiten Ebene wirken. Wir steuerten den südlichsten Punkt an, da wir uns dort den besten Ausblick auf das Meer erhofften. Die Aussicht war zwar gut, doch heute war die Luft deutlich feuchter als bei unseren ersten Wanderungen und hinter uns bildeten sich recht schnell die ersten kleinen Quellwolken, während sich vom Meer her eine trübe Wolkenwand zusammenzog. Wir entschieden uns deshalb für eine eher kurze Gipfelpause und genossen die Aussicht, bevor wir auf dem Anstiegsweg zurück Richtung Rifugio Pratomollo abstiegen. Doch das Wetter schien zu halten, die Wolken blieben recht harmlos und so machten wir an einem schönen Bachlauf im Abstieg zum idyllisch gelegenen Rifugio Malgazanoni eine zweite Pause.

Ab dort würde ein einfacher Weg entlang der Bergflanken zurück zum Ausgangspunkt der Tour am Passo dei Ghiffi führen, ohne große Höhendifferenzen. Das dachten wir wenigstens, denn 1,4 km nach dem Rifugio kam die Überraschung. Das gleiche Schild vom Beginn der Tour sowie eindeutige Markierungen zeigten an, dass der Wanderweg gesperrt war. Wir mussten einer Umleitung folgen. Die anfangs harmlosen Wolken türmten sich inzwischen zu recht beachtlichen Gebilden auf und wir stiegen in der prallen Nachmittagssonne steil eine Bergflanke hinauf. Der Weg war zwar gut markiert, erinnerte aber oft mehr an einen Wildwechsel denn an einen Wanderweg. Gefühlt waren wir die ersten Wanderer, die der Umleitung folgten. Etliche große Tierknochen blichen in der Sonne vor sich hin und wir fragten uns, ob das die Reste einer Mahlzeit waren, die die hier ebenfalls vorkommenden Wölfe hinterlassen hatten.

Nach einer schweißtreibenden Kraxelei durch Schotter und Wiesenflächen standen wir dann endlich wieder oben auf dem Alta Via, auf dem gleichen Weg, den wir am Morgen bereits gelaufen waren. Doch weiter gings dann erst mal nicht. Eine Herde Ziegen erschien und nur ein paar Augenblicke später versperrten uns drei große, bellende Hirtenhunde den Weiterweg. Diese spezielle Züchtung ist bekannt dafür, dass sie die Herden von Schafen, Ziegen und Kühe als ihre Familie sehe, sie zuverlässig zusammenhalten und auch Wolfsrudel in die Flucht schlagen. Wir waren ihnen bereits in den letzten Jahren auf unseren Bikepacking-Touren in den Alpen und im Apennin immer wieder begegnet. Während wir also abwarteten und uns der Schweiß von den Armen tropfte, drängte die Zeit, denn inzwischen begann es auch zu donnern und die angekündigten Gewitter kamen näher.

Nach gefühlt endlosen Minuten zogen die Ziegen langsam weiter und auch die Hunde verloren ihr Interesse an uns. Im Eiltempo liefen wir den Weg entlang des Kammes zurück zum Startpunkt, während sich hinter uns eine imposante Gewitterwolke auftürmte. Erleichtert und zufrieden erreichten wir endlich unser Auto und wir waren uns einig, das eine besonders schöne Tour hinter uns lag!

zum Abschluss

Die Berge des Apennin in Ligurien eignen sich hervorragend zum Wandern. Besonders die mit "A" ausgewiesenen und nummerierten Rundtouren sowie die Abschnitte auf dem Alta Via dei Monti Liguri sind auch sehr gut markiert. Vom technischen Anspruch her waren die Touren einfach. Dennoch sollte man trittsicher, ausdauernd und an manchen kurzen Stellen auch schwindelfrei sein. 

Wer wie wir im Sommer in Ligurien wandern will, der muss mit schwüler Hitze selbst in Höhen deutlich über 1000 m und auch mal mit kräftigen Gewittern rechnen. Zum Glück verliefen längere Abschnitte der fünf beschriebenen Touren recht schattig durch Laubwälder, so dass die Hitze und die Sonne besser zu ertragen waren. Die besten Zeiten zum Wandern sind sicherlich im Frühjahr und im Herbst. Dann sind die Temperaturen angenehmer und auch die Sicht ist besser. 

Um zu den beschriebenen Touren zu gelangen, benötigt man am besten ein eigenes Fahrzeug. Es gibt zwar ein paar Busverbindungen, doch außer den Haltestellen konnten wir in den Tagen vor Ort nur sehr selten einen Bus sehen.

Mit dem Fahrrad haben wir Ligurien auch schon entdeckt, mal mit dem Rennrad und mal mit dem MTB auf unserer Bikepacking-Tour durch den Apennin. So kamen wir erst auf die Idee, hier einen Wanderurlaub zu verbringen. Mal sehen, wie lange es dauert bis wir hier wieder vorbeischauen...

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