Bikepacking Bayerischer Wald

ein 3 Tage-Abenteuer fast vor der Haustür

Erst kürzlich haben wir in unserem Blog geschrieben, welche Chancen wir in der aktuellen Pandemie für das Radfahren sehen und behauptet, dass das Rad als Transportmittel aus unserer Sicht das Potential für den entspanntesten Urlaub seit langem hat. Stimmt das? Es war an der Zeit das auszuprobieren und die Planungen der letzten Wochen in die Tat umzusetzen. Clemens nutzte die Chance einer kurzen Schönwetterphase, um Anfang Juni 2020 eine wunderschöne Ecke Bayerns zu erkunden, den Naturpark Bayerischer Wald. Welche Eindrücke er von der Tour mitgebracht hat, das gibt es hier zu lesen und zu sehen.

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Die Etappen im Überblick

Quelle: https://www.trans-bayerwald.de
Quelle: https://www.trans-bayerwald.de

Wer unsere Route nachfahren möchte, der findet am Ende jeder Etappe einen Link zu kommot. Dazu einfach auf die jeweilige Karte klicken!

Startort Bayerisch Eisenstein

Bereits vor ein paar Jahren sind wir für ein verlängertes Wochenende mit unseren Rädern im Nationalpark Bayerischer Wald überwiegend auf dem Nationalpark-Radweg sowie einem Abschnitt des Iron-Curtain-Trails unterwegs gewesen. Wir waren begeistert von der Natur und der Ruhe abseits der Touristenmassen. In Gedanken planten wir schon damals eine Fortsetzung und jetzt war es endlich soweit. Seit kurzem gibt es mit der Trans Bayerwald (näheres lest Ihr weiter unten) eine ausgeschilderte MTB-Rundtour durch die gesamte Region. Nach etwas Recherche im Netz und einem Abgleich der geplanten Strecke mit einer Wanderkarte stellte Clemens für sich eine Runde für drei Tage zusammen. Prämisse bei der Routenplanung waren möglichst wenig Verkehr, viel Natur und Grün, abends eine schöne Unterkunft und eine gute Erreichbarkeit mit der Bahn für die An- und Abreise. Die Tour folgte dabei in großen Teilstücken dem westlichen Teil der Trans Bayerwald mit ein paar Abstechern auf Berggipfel entlang der Route. Die Wetteraussichten für die drei kommenden Tage waren gut, mit 18°C und Sonne satt. Es konnte losgehen!

Etappe 1: Bayerisch Eisenstein - Neukirchen beim hl. Blut

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Los ging's am Morgen mit einer gut dreistündigen Zugfahrt ab München, zuerst noch flott mit einem Regionalexpress, dann deutlich langsamer mit der Waldbahn. Hier ticken die Uhren noch etwas anders, vor allem wenn der Schaffner manche Fahrgäste persönlich mit Namen begrüßt und sich erkundigt, wie es denn dem Rest der Familie so geht. Die Entschleunigung setzte bei mir schon mit der Anreise ein. 

Am späten Vormittag startete die Tour nach dem Aussteigen aus dem Zug zuerst einem zweiten Frühstück, direkt am Bahnhof in Bayerisch Eisenstein. Zum Glück hatte ich reichlich Proviant dabei, denn die Gastronomie war noch geschlossen und auch der Ort wirkte wie ausgestorben. Merkwürdig erschienen die uniformierten, tschechischen und deutschen Polizisten, die die Grenze kontrollierten und alle Ausflügler beobachteten, damit sie die Corona-bedingte Grenzschließung beachteten. Das Bild erinnerte jedenfalls an lange vergangene Zeiten.

Die Zeit schritt voran und die geplante Tagesetappe bis zur ersten Unterkunft in Neukirchen beim Heiligen Blut war noch lang. Der erste Höhepunkt des Tages war der Gipfel des Großen Arbers. Um etwas Zeit zu sparen ging es die ersten Kilometer anstatt auf Schotter auf Asphalt zum Großen Arbersee hinauf. Statt Ruhe herrschte an seinem Ufer ein ziemlicher Rummel und auch einige Motorradfahrer bretterten lärmend an mir vorbei, während es langsam bergauf ging. Der Fahrspaß hielt sich also in Grenzen, doch ein paar Kilometer später zweigte eine Forststraße ab und endlich war wieder Ruhe. Außer dem leisen Knirschen der Reifen auf dem Schotter und der vielen zwitschernden Vögel herrschte Stille. Hier auf rund 1000m Höhe schien der Frühling gerade erst begonnen zu haben, manche Bäume trugen noch das typisch zarte Grün und die Sonne wärmte an dem Tag auch nur mäßig. Mit einer meist angenehmen Steigung ging es gut voran, erst auf den letzten paar Kilometern vor dem Arber-Gipfel nahm der Trubel deutlich zu. Gruppen von Wanderern und E-Mountainbiker waren auf den breiten und gut ausgebauten Schotterstraßen unterwegs. Der Gipfel selbst hätte mit seiner 360°-Rundumsicht bei der klaren Luft sicher zu einer längeren Rast eingeladen, dank des schönen Wetters war er aber von dutzenden Tagestouristen belagert. So stoppte ich etwas unterhalb nur für ein paar Augenblicke, bevor es in die Abfahrt ging. Weiter unten fand sich dann auch eine ruhige Ecke mit schöner Aussicht. 

Die Abfahrt in Richtung Westen folgte im Wesentlichen einem bewaldeten Bergrücken auf meist sehr guten Schotterwegen und bot immer wieder weite Ausblicke auf die umliegenden sanften Berge. Allerdings war die gesamte Tagesetappe fast niemals flach. Es wechselten beständig Anstiege und Abfahrten und vor dem Etappenziel in Neukirchen beim Heiligen Blut folgte noch ein kurzer, dafür aber richtig steiler Anstieg auf Schotter über eine Anhöhe. Nach rund 66 km mit 1670 hm ging dort der erste Tag mit einem leckeren Abendessen in der tiefstehenden Sonne zu Ende.

Auffahrt zum Großen Arber, Bayerischer Wald
Schäufele

Etappe 2: Neukirchen beim Heiligen Blut - Oberprombach

Der zweite Morgen begann mit einem strahlend blauen Himmel und der Wetterbericht versprach einen Traumtag mit angenehmen 23 °C. Nach einem ausgiebigen Frühstück in der Unterkunft ging es herrlich ruhig auf einer Nebenstraße weiter und schon nach kurzer Fahrt kam der erste Trail durch eine Wiese. Die zwischenzeitliche Hektik von gestern rund um den Arber war endgültig weg, heute sollte es deutlich einsamer werden. Hügelig und meist auf Schotterwegen erreichte ich gegen Mittag Furth im Wald und machte die erste Brotzeit bei einer leckeren Bäckerei. Hätte ich vorher gewusst wie lecker deren Teilchen schmeckten, ich hätte vermutlich weniger Proviant mitschleppen müssen.

Mit dem langen Anstieg zum Tannenriegel begann ein toller Abschnitt nahe der tschechischen Grenze. Heute war es deutlich wärmer, fast schon sommerlich und so tat der Schatten der Bäume während der Anstiege gut. Der Name des Berges ist ziemlich treffend, meist ging es durch einen dichten Nadelwald auf Forststraßen aufwärts. Der Gipfel bot dann eine schöne Fernsicht Richtung Süden und bis auf ein paar grüßende Wanderer war ich komplett alleine unterwegs. Mittlerweile war es schon Nachmittag geworden und es standen erst 25 km auf dem Tacho, zu oft hatte ich einen Fotostopp eingelegt oder die Aussicht genossen. Mein Etappenziel lag noch rund 80 km entfernt. Puh!

Berghuhn, Trans Bayerwald

Heute zeigte sich der Charakter der Strecke so richtig. Zwar sind die absoluten Höhen der Berge im Bayerischen Wald, verglichen mit den Alpen, eher bescheiden. Doch ein ständiges Auf- und Ab, zumeist auf Schotter und mit ein paar kurzen Trails, bremsten das Vorankommen erheblich und kosteten Kraft. Das Gepäck am Rad tat sein Übriges und so entschied ich mich, ein paar Schleifen der Route abzukürzen. Erst gegen 20 Uhr, mit einer tief stehenden Sonne, erreichte ich müde aber zufrieden den Weiler Oberprombach, wo ich übernachtete. Spontan wurde ich von den herzlichen Gastgebern des Lugerhofs, der Familie Luger, auf ein paar Würstl mit Bier am Lagerfeuer eingeladen. Was für ein super Abschluss nach einem langen Tag im Sattel mit immerhin 86 km und rund 1800 hm. Während die Sonne schon längst untergegangen war, genossen wir den lauen Abend am Feuer und blickten auf die ersten Sterne am Himmel.

Etappe 3: Oberprombach - Plattling

Berghuhn, Tannenriegel, Bayerischer Wald

Dauerte der vorige Abend zu lang? Die Nacht war eindeutig zu kurz gewesen. Nach einem erneut ausgiebigen Frühstück und der zweiten Tasse Kaffee wurde ich langsam munter. Heute war es schon in der Früh angenehm warm und es sollten noch 25 °C werden. Für Übermorgen waren laut Wetterbericht kühle Temperaturen mit Regen und Gewittern angesagt. Was für ein Timing, denn dies war der letzte Tag der Tour. Die heutige Etappe verlief im Zickzack auf kleinsten Wegen und Pfaden quer durch die Wälder und vorbei an einsamen Höfen. Hatte ich mir nach den ersten zwei Tagen noch gedacht, die Strecke hätte sich überwiegend auch mit einem breiter bereiften Gravelbike gut fahren lassen - zumindest bei einer bergtauglichen Übersetzung, so herrschte heute eindeutig ein MTB-Terrain vor.

Einige der Abschnitte machten fahrtechnisch einen Heidenspaß, über Wurzeln und auf Trails ging es zum Teil so steil bergauf oder bergab, dass längeres Schieben angesagt war. Etwas später verlief die Route wieder deckungsgleich mit der Trans-Bayerwald. Es folgten lange Schotteranstiege und ein kilometerlanger Höhenweg vorbei am Hirschenstein und Rauhem Kulm. Die Sonne stand schon wieder tief und tauchte die Landschaft in ein weiches Licht. Was für ein Traum!

Die Abfahrt nach Deggendorf war dann weniger direkt als zunächst gedacht, immer wieder gab es kurze Gegenanstiege, bis es irgendwann doch rasant ins Tal ging. Die Wärme in der Stadt und die Menschen in den Lokalen am Marktplatz erzeugten bei mir endgültig eine richtige Urlaubsstimmung. Doch es war erneut spät geworden und ich wollte den Zug nach München nicht verpassen. Entlang der Isar ging es für ein paar Kilometer auf einem Damm schön flach und zur Abwechslung auch recht flott durch eine Auenlandschaft bis nach Plattling. Nach 95 km und fast 2000 hm endeten drei wunderschöne Tage recht abrupt im Zug, als der Zugbegleiter die Fahrgäste daran erinnerte, einen Mund- und Nasenschutz anzulegen. 

zum Abschluss

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Was bleibt am Ende von der Tour in Erinnerung und für wen eignet sich die gefahrene Route? Die Strecke durch den Bayerischen Wald war wunderschön, erstaunlich abwechslungsreich und konditionell fordernd. Spektakuläre Ausblicke und schroffe Gipfel wie in den Alpen findet man hier nicht und es gibt auch deutlich weniger Hütten entlang der Strecke. In vielen Teilen dominieren Wälder und Hügel und ein saftiges Grün die Landschaft, was bei sommerlichen Temperaturen angenehm ist. Umso mehr freut man sich über plötzliche schöne Ausblicke. Dies macht unserer Meinung nach auch den besonderen Reiz der Gegend aus. Alles geht ein wenig beschaulicher und ruhiger zu. Man sollte immer ausreichend Zeit für ein paar Pausen einplanen, um die Landschaft zu genießen oder um die Orte entlang der Strecke zu entdecken. Wer nur darauf bedacht ist täglich viele "Kilometer zu schrubben", der verpasst die vielen schönen Momente am Wegesrand.

Übernachtet wurde diesmal statt im Zelt im Hotel, was eindeutig den Vorteil hatte, dass das Rad durch die eingesparte Campingausrüstung ein paar Kilogramm leichter war und die Etappen dafür etwas länger sein konnten. Auch waren ein paar Schiebepassagen dadurch wesentlich angenehmer. Der Nachteil dieser Variante war, dass immer ein fixes Tagesziel erreicht werden musste. 

Das Wetter kann in der Region zuweilen recht launisch und selbst im Sommer auch frisch sein. Am letzten Tag entging ich am Nachmittag nur mit Glück einem vorbeiziehenden Gewitter. Bei einer Mehrtagestour sollte man daher immer eine entsprechende Kleidung für die Berge im Gepäck haben. Der offizielle Wetterbericht lag bei dieser kurzen Tour ziemlich daneben, es wurde am zweiten Tag deutlich wärmer als vorhergesagt und am Ende schlug das Wetter zwei Tage früher um als gedacht. 

Wer auf den Spuren der Trans Bayerwald unterwegs ist, der erlebt die Schönheit der Landschaft besonders intensiv. Ein MTB-Hardtail mit gut rollenden Reifen ist unseres Erachtens ideal für die Strecke, so machen auch die steileren Bergab-Passagen und gelegentlichen Trails richtig Spaß. Zurückblickend fühlten sich die drei Tage nach einer richtig schönen Tour an.

Eines ist sicher: wir kommen wieder und dann hoffentlich etwas länger!


Der Routenverlauf der Trans Bayerwald

Nur wenige Monate nach unserer ersten Tour im Bayerischen Wald wurde eine offizielle MTB-Route eröffnet, die Trans Bayerwald. Dabei handelt es sich um eine 700 km lange Strecke mit etwa 17.000 Höhenmetern quer durch den Bayerischen Wald. Die Details der Route mit der Übersichtskarte, Wegbeschreibung, den 14 Etappen mit GPS-Daten zur Navigation sowie den zahlreichen Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke findet Ihr auf der toll gemachten Webseite der Trans Bayerwald. Außerdem kann man über diese Webseite ein kostenloses Starterpaket bestellen. Darin enthalten sind:

  • ein Reisetagebuch mit Stempelkarte 
  • Etappenbooklet mit Kartenmaterial zu den einzelnen Etappen samt einem Höhenprofil
  • Infoliste mit Gastgeber, Gastronomie, Radservicestationen, Anreiseinfos uvm.
Berghuhn, Bikepacking, Trans Bayerwald
Quelle: https://www.trans-bayerwald.de

Das Etappenbooklet mit den Karten der einzelnen Etappen ist sehr übersichtlich gestaltet. Wer ohnehin die klassische Wanderkarte auf Papier liebt, der kann getrost nur damit navigieren. Trotzdem lohnt es sich, vor dem Befahren der Strecke, auf die Webseite der Trans Bayerwald zu gehen, weil gerade im Frühjahr oder nach Unwettern Streckenabschnitte gesperrt sein können oder Umleitungen eingerichtet sind.


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