Sumava

Ein Kurz-Abenteuer fast vor der Haustür.

Sumava klingt auf den ersten Blick nach Südostasien, irgendwie exotisch. Dabei liegt dieses Ziel näher an München als gedacht. Dahinter verbirgt sich das tschechische Pendant zum Nationalpark Bayerischer Wald. Wir verbrachten dort ein verlängertes Wochenende im Frühsommer, um mit unseren Mountainbikes den Nationalpark-Radweg auf den Kopf zu stellen. Dieser Radweg verläuft auf beiden Seiten der Grenze, Passagen überschneiden sich mit dem bekannten Iron-Curtain Trail. 

Ab nach Bayerisch Eisenstein - mit der Waldbahn!

Nationalpark Sumava, Bucina, Tschechische Republik

Wahrscheinlich hat schon jeder einmal etwas über den Bayerischen Wald gelesen oder gehört. Wir haben damit bislang eher gemütliche Familien-Wanderungen mit kleinen Kindern verbunden, vielleicht begleitet von Oma und Opa, um gemeinsam entspannt zur nahen Berghütte zu wandern.

Dort wollen wir eine mehrtägige Tour unternehmen, ist hier ein Abenteuer möglich? Die Alpen liegen für uns näher, sind spektakulärer, viel höher und scheinbar deutlich spannender.

 

Es war an der Zeit mit ein paar Vorurteilen aufzuräumen.

Was haben wir dort gefunden? Zunächst einmal das Gegenteil der Alpen, doch wir meinen das im positiven Sinne. Die Tour war von Natur, Ruhe und Entschleunigung geprägt. Selten haben wir abrupt soviel Einsamkeit erlebt wie hier.

 

Kaum verließen wir den Zug in Bayerisch Eisenstein, mit einer Bierzeltstimmung samt seiner biergeschwängerten Luft diverser feiernder Ausflugsgruppen, so tauchten wir nur Meter hinter dem Bahnsteig schlagartig ein in die Ruhe. Kein Trubel mehr, keine Kioske, kein Rummel und nur wenige Menschen auf der Straße. Vielmehr durchfuhren wir eine wunderbar saftig grüne Landschaft, konnten entspannt verweilen und scheue Tiere beobachten - und sahen natürlich sehr viel Wald!

 

Für alle Nachahmer seid gewarnt, wer hier auf spektakuläre Ausblicke und stylische Almhütten hinter jeder Ecke hofft, wird auf dieser Route nicht glücklich werden. Wer hingegen Spaß daran hat eine Region zu erkunden, die (noch) nicht vom Lifestyle überrannt wurde, wird hier voll auf seine Kosten kommen.

Der Routenverlauf

Unsere Route verlief in einer großen Schleife zunächst auf dem Nationalpark-Radweg, stets grenznah zur Tschechischen Republik, mal auf bayerischer, mal auf der tschechischen Seite durch den grenzüberschreitenden Nationalpark bis Haidmühle.

 

Den genauen Streckenverlauf sowie Höhenprofile zur Tour findest Du hier: http://www.bayerninfo.de/rad 

Auch wenn die absoluten Höhen eher moderat sind, so summieren sich doch die Höhenmeter. Selten ist es flach, vielmehr folgen flotten Abfahrten auch längere Anstiege.

Nationalpark Bayerischer Wald, Bachlauf bei Finster

War der erste Tag noch geprägt von kühler Witterung und viel Wald, so ging`s am zweiten Tag ab Neuschönau ordentlich bergauf. Die Höhenmeter zogen sich länger als gedacht, vor allem kamen wir durch die Schotterpassagen langsamer voran als geplant.

 

So waren wir froh, im Freilichtmuseum in Finsterau ein Restaurant mit Biergarten zu finden, um uns für den weiteren Anstieg ausgiebig zu stärken. Hier hat auch der Wirt noch Zeit mit seinen Gästen ins Gespräch zu kommen und von seinen Highlights aus der Region zu schwärmen. Kurz nach unserem Stopp, aber noch mitten im Anstieg Richtung Bucina, genossen wir dann die ersten Weitblicke bei strahlendem Sonnenschein, welch ein Balsam für die Seele.

Als wir schließlich den höchsten Punkt nahe der Grenze bei Bucina erreicht hatten, ging es sofort wieder abwärts. Es wechselten Asphalt- mit Schotterabschnitten, wobei jetzt der Asphalt deutlich überwog. In flotter Fahrt durchfuhren wir einige der ruhigsten Passagen der gesamten Tour. Besonders schön, aber auch herausfordernd war ein Teil auf dem Iron Curtain Trail, der der ehemaligen Grenze zwischen dem ehemaligen Ostblock und dem Westen folgt. Ohne MTB wäre dieser kaum fahrbar gewesen, doch so hatten wir einen Heidenspaß.

 

Bis zu unserem geplanten Etappenziel in Waldkirchen hatten wir mit Erreichen des ersten Ortes auf deutscher Seite in Haidmühle - was zugleich den Endpunkt des Nationalparkradwegs darstellt - noch etliche Kilometer vor uns. Die Sonne stand schon tief und ein Gewitter zog drohend näher. Eile war also geboten und beim Blick auf die Karte stießen wir auf den Adalbert-Stifter-Radweg, der einer ehemaligen Bahntrasse folgend, dank einiger EU-Fördermittel perfekt angelegt und durchgängig beschildert ist. Fein gesandet und geschottert, verläuft er zunächst eben und fällt dann beständig zum Tagesziel Waldkirchen hin ab. Was wir am Vormittag elend langsam emporgekurbelt waren, rauschten wir jetzt im Formationsflug bergab.

Nach einem traumhaften Sonnenaufgang am kommenden Morgen standen uns noch ein paar anstrengende Kilometer bis zum Endpunkt der Tour in Passau bevor. Ok, wir hätten auch ganz easy asphaltierte Radwege nehmen können, doch wollten wir lieber alle Hauptstraßen umgehen und die Natur erleben. So folgten wir zunächst dem Localbahnradweg Richtung Süden hin zur Donau. Dieser stellte sich letztlich als recht anspruchsvoll heraus, technisch gesehen schwieriger als die ersten zwei Tage, so dass hier ohne MTB wenig gelaufen wäre.

 

Kurzen giftigen Anstiegen und steilen Abfahrten folgten grobe Schotterabschnitte, bis irgendwann überhaupt kein Weg mehr erkennbar war. So schoben wir einige Meter bis zur nächsten Straße und erreichten letztendlich die Donau.

In der Abendsonne rollten wir schließlich glücklich, staubig, durchgeschwitzt und mit einem breiten Grinsen im Gesicht die letzten Kilometer auf dem breit ausgebauten Donauradweg nach Passau. Die entgegenkommenden Heerscharen der "Donauwegradler" konnten schließlich nicht ahnen, aus welch schöner Ecke wir gerade kamen.

 

Tipps zum geeigneten Rad, der passenden Ausrüstung und Kartenmaterial findest Du unter "Los gehts!".

 

Einen guten Eindruck vermittelt unser Video zur Tour! 


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Viel Vergnügen wünscht Dir Berghuhn!