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Im Test - Der Winterradschuh HIMALAYA von NorthWave

Auch wenn es in Deutschland gerade wenig nach Winter aussieht, die kalte Jahreszeit ist da, es ist Februar, statistisch gesehen ist das der zweitkälteste Monat des Jahres. Wer jetzt entspannt Radfahren will ohne zu frieren, der braucht neben warmer Kleidung die passenden Winterradschuhe. Wir fahren seit ein paar Jahren mit Winterschuhen, die uns sehr gut gefallen - solange es nicht wirklich kalt wird. In diesem Artikel beschreiben wir zuerst unsere Anforderungen an einen guten Winterradschuh und stellen Euch danach die neuen Schuhe vor, die sich Clemens gegönnt hat. Viel Spass beim Lesen!

Transparenzhinweis

Diese Beschreibung spiegelt nur unsere persönliche Eindrück wieder. Wir haben die Schuhe selbst gekauft und erhalten keine Bezahlung für diesen Artikel, es handelt sich damit um unbezahlte Werbung ohne Auftrag.

Berghuhn testet
zwei Winterradschuhe: das Modell Himalaya von Northwave (links) und der altgediente Scott MTB Heater Gore-Tex (rechts)

Was macht einen guten Winterradschuh aus?

Was einen guten Winterradschuh ausmacht lässt sich nicht mit einem Satz beantworten, zu unterschiedlich sind die individuellen Anforderungen. Daher beschreiben wir die aus unserer Sicht entscheidenden Punkte, die sich jeder vor einem Kauf überlegen sollte.

  1. Einsatzbereich: Muss der Schuh selbst für stundenlange Ausfahrten bei Minusgraden ausreichend warm sein, oder eher für kühle Tage und kurze Ausfahrten?
  2. Wasserdichtigkeit: Muss er komplett wasserfest sein, weil man bei jedem Mistwetter unterwegs ist? 
  3. Passform: Aus unserer Sicht muss jeder Schuh gut passen, sonst zieht man ihn nach kurzer Zeit aus - und nie wieder an. Hier machen wir keine Abstriche und ohne eine längere Anprobe geht hier nichts. Bei Winterschuhen braucht man mehr Platz für dicke Socken, idealerweise tragen sie sich mit unterschiedlich dicken Socken gleich gut, so kann man sie besser an die jeweilige Temperatur anpassen. Durch die Isolierung sind Winterradschuhe dicker als Sommerradschuhe, somit sind die Schuhe insgesamt größer und schwerer als gewohnt.
  4. Pedalsystem: Will ich mit Klickpedalen fahren oder lieber Plattformpedale mit Pins verwenden? 
  5. Schuhsohle: Soll sich der Schuh durch eine griffige Schuhsohle auszeichnen, mit der man gut laufen kann, oder steht die optimale Kraftübertragung beim Treten im Vordergrund? Wir bevorzugen klar die MTB-Version, da sie sich zum Gehen besser eignet als typische Rennradschuhe mit großen Schuhplatten für die Systempedale. Auch sollte eine warme Innensohle, evtl. mit Alubeschichtung vorhanden sein, damit nicht unnötig viel Körperwärme auf die kalten Pedale übertragen werden kann.

Wie so oft gibt es nicht den einen Schuh für alle Fälle. Clemens wollte vor allem einen strapazierfähigen, wasserdichten Winterradschuh mit der Möglichkeit, Cleats für SPD-Pedale zu montieren. Der Schuh sollte einen hohen, am Bein gut abschließenden Schaft haben und ausreichend isoliert sein für Temperaturen um den Gefrierpunkt und bis in den leichten Frostbereich, also kein Expeditionsschuh! Wichtiger als eine perfekte Kraftübertragung beim Treten im Sattel war eine griffige Sohle, mit der es sich auch bei Schnee oder auf nassem, glatten Untergrund gut laufen lässt. Schließlich sollte sich der Schuh auch zum Pendeln mit dem Rad zur Arbeit eignen und klar, die Passform musste stimmen.

 

Zur Erklärung:

Den abgebildeten Schuh von Scott fahren wir übrigens beide seit mehreren Jahren und sind sehr zufrieden, nur bei Temperaturen unter rund 6-8°C ist er uns zu kalt. Ein wärmeres Modell sollte helfen.

Im Test - das Modell "Himalaya" von NorthWave

Die Suche online und auch in diversen Sportgeschäften war dann langwieriger als zunächst gedacht. Entweder war das gesuchte Modell nicht in der passenden Größe (48) verfügbar oder die Passform war für eher schlanke, große Füße nicht zufriedenstellend. Bis wir online das Modell Himalaya von NorthWave fanden. Es schien jedenfalls von der Beschreibung her der perfekte Winterradschuh zu sein, der Clemens`Anforderungen entsprechen sollte. Er konnte die Schuhe bereits testen, seine Eindrücke lest Ihr hier.

Erster Eindruck

Zuerst fällt der sehr hohe Schaft auf. Trotzdem lässt sich der Schuh durch die Schlaufe über der Ferse und den Klettverschluss  des Überschuhs recht einfach an- und ausziehen. Darunter befindet sich ein gefütterter, aber nicht herausnehmbarer Innenschuh mit einer Schnürung, die sich durch einen Schieber leicht bedienen und in der Weite an den Fuß anpassen lässt. Die Sohle ist schön grobstollig und es lassen sich Cleats für z.B. SPD-Pedale montieren. Wer will kann auch die mit zwei Schrauben gesicherte Abdeckung für die Cleats an der Schuhsohle belassen und nur mit Plattformpedalen fahren. 

Zudem hat der Schuh an den Fersen gut sichtbare Reflektoren, was gerade im Stadtverkehr bei Dunkelheit wichtig ist.

Und die Passform? Der Schuh sitzt bei der ersten Anprobe hervorragend und bietet selbst für dicke Socken genügend Platz. Nichts drückt, die Weite des Schafts lässt sich durch den Klettverschluss gut einstellen und der Schaft passt perfekt zu den Stulpen der Winterradhose. So entsteht über dem Fußgelenk keine Kältebrücke. Ist der Schuh geschlossen, dann ist die Oberfläche relativ glatt, wird er schmutzig so lässt er sich außen vermutlich leicht mit etwas Wasser abwaschen. 

Nach den ersten Testfahrten

Der Schuh trägt sich trotz des hohen, etwas steif wirkenden Schafts sehr gut. Dieser drückte selbst nach knapp 2-stündiger Testfahrt nicht. Dank Klettverschluss lässt er sich auch in der Weite gut einstellen. Nur ist die Sohle deutlich weicher als von den MTB-Sommerradschuhen gewohnt und auch die Fersenpartie bietet weniger Halt. Dafür ist der Schuh richtig gut isoliert. Bei Temperaturen von 2°C waren die Füße angenehm warm, bei 9°C wurde es schon zu warm. Zur Wasserdichtigkeit und zur Reinigung lässt sich noch nichts sagen, das Wetter war bislang einfach zu trocken und schön.

Eine Besonderheit fiel jedoch relativ schnell auf. Da der Schuh zusätzlich isoliert ist, ist er automatisch deutlich voluminöser als ein ungefütterter Sommerradschuh, er ist also bei gleicher Schuhgröße länger und breiter. Das führt zum einen dazu, dass man bei großen Schuhgrößen bei Fahrrädern mit steilen Lenkwinkeln und kurzem Radstand (z.B. bei Rennrädern) ein Problem mit toe-overlap bekommen kann. Sprich man berührt mit den Schuhspitzen beim langsamen Kurvenfahren den Vorderreifen bzw. das Schutzblech, wenn man den Lenker weiter einschlägt. 

Durch die dickere Schuhsohle und die dickeren Einlegesohlen sitzt man ins Fahrradpedal eingeklickt auch etwas höher, sprich die Sattelstütze muss um ein paar Millimeter weiter ausgezogen werden. Fährt man ohne Cleats, ist der Unterschied noch deutlicher. Der kleine Metallring oben mittig auf dem Schuh dient übrigens dazu, Gamaschen wie bei einem Bergschuh im Schnee zu verwenden.

 

Die zweite Folge der größeren Schuhbreite wirkt sich auf den Q-Faktor beim Treten aus. Konkret ist die Position für die Cleats an den Schuhsohlen etwas weiter innen angebracht, damit man beim Treten mit den Schuhen nicht an den Kurbeln streift. Dadurch wandert der Kontaktpunkt zwischen dem eigenen Fuß und dem Pedal etwas weiter nach innen, Richtung Kurbel. Nachmessen mit dem Meterstab ergab eine Abweichung von der gewohnten Position der Cleats um rund 4 mm pro Schuh nach außen, verglichen mit den Sommerradschuhen. Was nach wenig klingt spürt man jedoch deutlich. Bei der ersten kurzen Testrunde kommt man sich fast vor, als säße man auf einem Fatbike! Beim Treten, vor allem im Wiegetritt, macht sich das recht unangenehm bemerkbar, da der Fuß bei jeder Kurbelumdrehung leicht nach außen kippt. Also wurden die Cleats wieder demontiert und so weit es möglich war in Richtung Schuhmitte verschoben. Das verbesserte das Gefühl beim Fahren ein wenig, trotzdem bleibt der Abstand zwischen Kurbel und Schuh beim Treten größer als gewohnt und es fühlt sich weiterhin kippelig an.

Die folgenden Fotos mit dem Meterstab im Bild zeigen den Vergleich der Cleatposition am NorthWave und dem älteren Schuhmodell von Scott, nachdem die Cleatposition am NorthWave optimiert wurde. Wenn man die 10 auf dem Meterstab mittig über die gedachte Achse der Cleats hält, so erkennt man, dass die Sohle des NorthWave bei gleicher Schuhgröße (48) insgesamt breiter ist. Zudem ist die Cleatposition beim NorthWave rund 4 mm weiter innen als beim Scott.

Wir verwenden an unseren MTBs und unseren breiter bereiften Gravelbikes Shimano-Kombipedale (Shimano Deore XT PD-T8000).  Sie bieten durch die Größe der Auflagefläche der Plattformseite mit den 8 Metallpins auch mit normalen Straßenschuhen einen guten Grip. Das ist gerade im Alltag oder in Situationen, in denen man nicht eingeklickt fahren will, sehr angenehm. Bei längerer oder sportlicherer Fahrt nutzen wir die SPD-Cleats der anderen Seite für eine bessere Kraftübertragung und verwenden unsere Radschuhe. Mit den NorthWave Winterschuhen fühlt sich der Stand auf dem Pedal durch die außermittige Positionierung der Cleats am Schuh kippeliger an als gewohnt. Die Schuhe sind mit den Pedalen im eingeklickten Zustand nur über die Cleats verbunden. Der breitere Käfig mit den Metallpins der anderen Pedalseite bietet den Schuhe keine Auflagefläche, somit kann der Schuh beim Treten etwas nach außen kippen (siehe folgende Fotos). Eine mögliche Abhilfe könnte sein, die Schuhe mit unseren Kombipedalen nur mit der Plattformseite zu verwenden, also nicht eingeklickt zu fahren, oder spezielle MTB-Kombipedale mit breitem Käfig und Cleats eines anderen Herstellers für einen besseren Stand.

vorläufiges Fazit

Der Winterradschuh Himalaya von North Wave ist insgesamt ein durchdachter, schön warmer Schuh für Temperaturen um den Gefrierpunkt. Mit guten Wollsocken ist er auch für leichte Minusgrade und längere Fahrten ausreichend warm. Der Schuh bietet einen hohen, am Bein gut abschließenden und in der Weite einstellbaren Schaft und hat eine griffige, nicht zu steife Sohle mit ordentlichem Profil auch zum Gehen im Schnee. Da außen keine Verschlüsse oder ähnliches sind, ist er relativ schmutzunempfindlich und lässt sich außen einfach mit Wasser reinigen.

Gewöhnungsbedürftig ist die recht weit innen liegende Position zur Montage der Cleats an den Sohlen. Dadurch hat man beim Treten zwar reichlich Platz zwischen Schuh und Kurbel um selbst noch Gamaschen wie beim Bergschuh überstreifen zu können, jedoch vergrößert sich dadurch der Q-Faktor. Ergonomisch gesehen ist das ungünstig, gerade wenn man längere Strecken fährt und effektiv pedalieren möchte. Man kann natürlich ganz auf die Cleats verzichten und mit diesem Schuh nur mit Plattformpedalen fahren, dann wird der Q-Faktor wieder geringer.

Aus unserer Sicht richtet sich der Schuh an alle, die primär bei trockenem Winterwetters auch mal etwas länger unterwegs sind und die mit warmen Füßen am Ziel ankommen wollen. Ebenso gut eignet sich der Schuh, wenn man eine rutschfeste Sohle zum bequemen Gehen im Schnee sucht.

Wer hingegen maximal effizient treten will, dem dürfte der Q-Faktor im eingeklickten Zustand zu groß, die Sohle für eine gute Kraftübertragung zu weich und der Halt im Schuh zu gering sein.

Der größte Nachteil ist aus unserer Sicht aber die fehlende Wasserdichtigkeit, denn die äußere Lederschicht ist nur wasserabweisend beschichtet und nicht wasserdicht. Das fanden wir vor lauter anfänglicher Begeisterung allerdings erst nach dem Kauf heraus, denn der Onlinehändler hatte die Schuhe irrtümlich in der Kategorie wasserdicht einsortiert. Auf der Herstellerseite ist die Beschreibung richtig angegeben. Letztlich hat Clemens die Schuhe deshalb nicht behalten, aber wenigstens kennen wir jetzt unsere Kriterien für einen guten Winterradschuh sehr genau und der nächste Winter kommt bestimmt!

 

Herstellernachweis:

Alle Details zu den Schuhen gibt es hier: https://www.northwave.com/de-DE-de/products/Shoes-HIMALAYA-BLACK-41_249082008.aspx

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