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Teil 2: Wieso ist der Berg so steil?

Vergleich zweier Räder im Praxistest

 

Nach der Theorie zur richtigen Übersetzung in Teil 1, vergleichen wir in Teil 2 die Theorie mit der Praxis. 

Vergleich von 2 MTBs. Mit welchem kommt man besser bergauf?

Extreme bieten den Vorteil, dass die Unterschiede leichter sichtbar werden. Daher vergleichen wir zwei sehr unterschiedliche Fahrräder miteinander, die beide für den gleichen Einsatzzweck gedacht sind. Beides sind leichte MTB-Hardtails für den Cross-Country Einsatz.

 

Links im Bild ist ein 26-Zoll MTB-Hardtail mit einer 3x10 Übersetzung, rechts im Bildausschnitt sieht man den 1x11 Antrieb an einem aktuellen 29-Zoll MTB-Hardtail. Mit welchem Antriebskonzept fährt man leichter bergauf? Wir machen den Test!

 

Zunächst betrachten wir das 26-Zoll MTB. Mit dem Ritzelrechner (siehe Teil 1) berechnen wir die montierte Übersetzung. Im kleinsten Berggang, also vorne auf dem kleinsten Kettenblatt mit 24 Zähnen und hinten auf dem größten Ritzel mit 36 Zähnen ergibt sich eine Entfaltung von  1,41 m. Das ist wirklich sehr wenig und reicht theoretisch für extrem steile Anstiege aus.

 

Das 29-Zoll MTB bietet vorne nur ein Einfach-Kettenblatt mit 28 Zähnen und hinten eine breit gespreizte Kassette mit 10-42 Zähnen. Mit der Übersetzung vorne 28 und hinten 42 Zähne ergibt sich eine Entfaltung von 1,55 m. Hier hat also das 26-Zoll MTB die Nase vorne.

 

Doch damit wollen wir uns nicht zufrieden geben. Wir haben es ausprobiert und sind mit beiden Rädern den gleichen steilen Anstieg hinauf geradelt. 

Das Ergebnis

Mit dem 26-Zoll MTB geht es nicht leichter bergauf als mit dem 29-Zoll MTB! Die Erklärung findet sich erst auf den zweiten Blick.

 

Zwar ist die Übersetzung am 26-Zoll MTB geringfügig besser, jedoch ist die Sitzposition an unserem MTB etwas aufrechter. Dadurch steigt das Vorderrad in sehr steilen Passagen (um die 24%) leichter auf als bei dem 29-Zoll MTB. Nur mit viel Körpereinsatz, d.h. wenn man sich extrem weit nach vorne über den Lenker des 26-Zoll MTBs beugt, behält man die Bodenhaftung. Dafür muss man bei dem 29-Zoll MTB mit etwas mehr Kraft bergauf treten, will man die gleiche Trittfrequenz wie bei dem 26-Zoll Rad beibehalten. Dieser Test verlief auf Asphalt, auf Schotter ist das 29-Zoll Rad spürbar im Vorteil, weil die Reifen durch den größeren Durchmesser eine größere Aufstandsfläche bieten und damit mehr Grip. Das 26-Zoll MTB muss man in besonders steilen Passagen etwas schneller bergauf fahren, um die gleiche Haftung zu behalten, wie bei dem 29-Zoll Rad. Kommen jetzt noch Unebenheiten hinzu, verschiebt sich der Vorteil weiter zum 29-Zoll Rad, das Hindernisse leichter überrollen kann.

 

Doch Vorsicht, das Fahrradgewicht spielt bergauf eine große Rolle. Unser Vergleich von zwei MTBs funktioniert, da beide Räder in etwa gleich schwer sind.

Unser Fazit

Welches Übersetzungskonzept einem besser gefällt, ist zu einem gewissen Grad Geschmacksache und hängt immer vom Einsatzgebiet ab.

 

Das ältere 3x10-Konzept bietet sehr viele, sehr eng abgestufte Gänge, was ergonomisch vorteilhaft ist. Um immer mit der optimalen Trittfrequenz treten zu können, muss man allerdings sehr oft schalten und durch die 3 Kettenblätter vorne gibt es viele Gangüberschneidungen. Effektiv bieten also selbst diese 30 Gänge nur etwa 14 "echte" Gänge. Ist der Berg nicht zu steil, kommt man mit dem 26-Zoll Rad mit etwas weniger Krafteinsatz bzw. etwas flotterer Trittfrequenz bei gleicher Geschwindigkeit bergauf. Je schlechter der Untergrund wird, desto mehr ist das 29-Zoll Rad im Vorteil, weil es mehr Traktion bietet und Hindernisse leichter überrollt.

 

Das 1x11-Konzept besticht mit einem geringeren Systemgewicht, einer sehr intuitiven Bedienung und simpleren Technik. Im Geländeeinsatz ist das ein klarer Vorteil. Dafür sind die Gangsprünge etwas größer, was man vor allem auf der Straße merkt und die Gesamtübersetzung ist in unserem Beispiel mit 420% deutlich kleiner als beim 3x10-Antrieb mit 573%. Will man also schnell bergab fahren, dann kann man relativ früh nicht mehr mittreten, weil man eben nur 11 echte Gänge hat.

 

Update

Mittlerweile fährt Clemens ein MTB mit der 1x12 SRAM Eagle Gruppe, die eine Gesamtübersetzung von 500% bietet und ist begeistert. Die Abstufung der Gänge ist gelungen, vor allem im Hinblick auf den Offroadeinsatz.

In Kürze folgen im letzten Teil unsere praktischen Tipps zur richtigen Taktik.

Also schaut bald wieder vorbei!